Mo., 24.08.2026 , 13:57 Uhr

Vier Angeklagte sollen Frauen in mehreren Bundesländern ausgebeutet haben

Prozess um Bordellnetz in Chemnitz gestartet

Am Landgericht Chemnitz hat der Prozess gegen vier Angeklagte begonnen. Sie sollen ein Bordellnetz betrieben und vietnamesische Frauen ausgebeutet haben.

Chemnitz - Am Landgericht Chemnitz hat am Montag der Prozess gegen vier Angeklagte begonnen, denen unter anderem die Ausbeutung vietnamesischer Frauen im Rotlichtmilieu vorgeworfen wird. Nach Angaben der Anklage soll sich das mutmaßliche Netzwerk über mindestens 19 Städte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen erstreckt haben.

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht eine 48-jährige Vietnamesin. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, als zentrale Verantwortliche des Netzwerks agiert und wesentliche Entscheidungen getroffen zu haben. Drei mitangeklagte Männer sollen sie bei der Organisation unterstützt haben.

Frauen mit Jobangeboten angeworben

Nach Darstellung der Anklage wurden vietnamesische Frauen mit der Aussicht auf eine gut bezahlte Tätigkeit als Masseurin angeworben. Tatsächlich sollen sie anschließend in Wohnungsbordellen der Prostitution nachgegangen sein.

Die Frauen hätten sich illegal in Deutschland aufgehalten und deshalb kaum Möglichkeiten auf eine reguläre Beschäftigung gehabt. Diese Situation soll die Hauptangeklagte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gezielt ausgenutzt haben.

Den Frauen sei angeboten worden, durch Prostitution Geld zu verdienen. Über die Bedingungen ihrer Arbeit hätten sie laut Anklage jedoch kaum selbst bestimmen können. Sie sollen unter anderem gezwungen gewesen sein, bestimmte sexuelle Wünsche von Kunden zu erfüllen.

Netzwerk soll von Halle aus gesteuert worden sein

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll das mutmaßliche Netzwerk von Halle an der Saale aus organisiert worden sein. Die drei weiteren Angeklagten sollen unter anderem Wohnungen angemietet, Anzeigen auf Internetplattformen veröffentlicht und Geld von den Frauen eingesammelt haben.

Die Ermittlungen hatten bereits 2024 begonnen. Damals waren der Chemnitzer Kriminalpolizei mehrere vietnamesische Frauen aufgefallen, die sich illegal in Deutschland aufhielten und in der Region der Prostitution nachgingen.

Mehr als 300 Polizisten bei Durchsuchungen

Im Februar 2026 folgte eine groß angelegte Polizeiaktion. Mehr als 300 Einsatzkräfte durchsuchten zahlreiche Objekte in fünf Bundesländern.

Dabei wurden nach früheren Angaben der Polizei 19 vietnamesische Frauen angetroffen, die mutmaßlich illegal der Prostitution nachgingen. Außerdem stellten die Ermittler rund 214.000 Euro Bargeld, Mobiltelefone, Medikamente, eine Schreckschusswaffe sowie 33.000 Euro Falschgeld sicher.

Die mutmaßliche Hauptverantwortliche und ihr Bruder befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Vorwurf des gewerbsmäßigen Einschleusens

Neben der 48-Jährigen und ihrem Bruder stehen auch zwei deutsche Männer vor Gericht. Den Angeklagten wird gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern in bis zu 28 Fällen vorgeworfen.

Zum Prozessauftakt machten alle vier Angeklagten zunächst keine Angaben zu den Vorwürfen. Im Fall einer Verurteilung drohen mehrjährige Freiheitsstrafen.

Das Verfahren am Landgericht Chemnitz soll voraussichtlich bis Anfang Oktober dauern.