So., 09.11.2025 , 15:52 Uhr

Ratlosigkeit allerorten: Brendel muss bei Dynamo gehen

Sachsen- Seinem Trainer gab Thomas Brendel noch einen Treueschwur, nun ist er weg. Der Aufsichtsrat von Dynamo Dresden stellte für Insider nicht ganz überraschend den Sport-Geschäftsführer frei.

Und Trainer Thomas Stamm? Nach seinem Statement verabschiedete er sich nach der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg mit den ungewöhnlichen Worten: «Euch weiterhin alles Gute» von den Journalisten. Da bleibt viel Interpretationsspielraum. Schmeißt er ob der mageren Bilanz von sieben Punkten aus zwölf Spielen, vor allem aber wegen der Art der vielen Pleiten, von selbst hin, was in der Branche unüblich ist?

Sein unmittelbarer Vorgesetzter musste nun als Sport-Geschäftsführer gehen. «In den zurückliegenden Wochen mussten wir als Gremium vermehrt feststellen, dass es in der Leitung des Vereins zu größeren Unstimmigkeiten und Differenzen kam, die sich zunehmend verstärkt haben. Aufgrund dessen und mit Blick auf die sportliche Situation fehlt unsererseits das Vertrauen, dass wir mit Thomas Brendel als Geschäftsführer Sport die gesteckten Ziele erreichen können. Mit der zu planenden Wintertransferperiode sowie der Vorbereitung der neuen Spielzeit war die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt für uns unumgänglich», sagte Dynamos Aufsichtsratsvorsitzender Jens Heinig.

Kann Stamm also weitermachen? Und will er das? Zumindest kann er sowohl mit Erfolgen als auch mit Niederlagen umgehen. Der 2024 vom SC Freiburg nach Dresden als absoluter Wunschkandidat gekommene Schweizer lieferte vom ersten Tag an, hauchte dem damaligen Drittligisten neues Leben ein, führte die Sachsen am Ende souverän in Liga zwei. Doch angekommen ist die Mannschaft hier nicht.

Abwehrarbeit klappt nicht

Gleichwohl man in keinem Spiel bislang chancenlos war, fehlte am Ende immer irgendwas, um Erfolg zu haben. Zumeist ist es das Abwehrverhalten. Zwei Gegentore pro Spiel sind eine Art «Pflicht». «Wir machen leichte Fehler, offensiv wie defensiv. Jedes Spiel ist irgendwie ähnlich», sagte Abwehrspieler Lukas Boeder.

Dass gerade das Personal in der Abwehr nicht ligatauglich erscheint, will Stamm so nicht stehen lassen. Er verweist vielmehr auf das momentan fehlende Selbstverständnis seiner Kicker, was zu Saisonbeginn deutlich besser ausgeprägt war. «Es geht darum, nicht nachzudenken, schiebe ich jetzt raus, schiebe ich nicht raus?». Man müsse klarer sein und den Mut haben, gerade Standardsituationen besser zu verteidigen. Die Qualität der Spieler sei da, das habe man auch in den ersten Spielen gegen gute Mannschaften gesehen. «Diese Debatte mache ich nicht auf», sagte Stamm. Aber: Bereits in den ersten Partien wurde massiv über das teils schülerhafte Abwehrverhalten und die Frage nach Verstärkungen für die Defensive diskutiert.

Stamm hofft auf Erfolgserlebnisse

Vielmehr glaubt Stamm an den psychologischen Effekt von Erfolgserlebnissen. Man müsse die Handbremse lösen, mit der einige seiner Männer sichtbar unterwegs seien. Beispielsweise mit Toren und einem Sieg im Testspiel an diesem Donnerstag (13.30 Uhr) gegen Drittligist Energie Cottbus in der Länderspielpause.

In der liegt der Trainingsschwerpunkt auf der Abwehrarbeit, betonte Stamm. Mit ihm oder ohne ihn? «Es geht nicht um mich. Es geht nie um die Trainerposition. Es ist Teil des Business, mit der Mannschaft Punkte zu holen, besser defensiv zu stehen. Das gelingt uns aktuell nicht», sagte Stamm. (dpa)