Dresden – In Sachsen gibt es weiterhin deutliche Lücken in der ärztlichen Versorgung. Das zeigen Zahlen aus dem Gesundheitsministerium, die Linke-Fraktionschefin Susanne Schaper im Landtag erfragt hat. Besonders betroffen sind demnach Ostsachsen und Südwestsachsen. Vor allem bei Hausärzten ist der Bedarf groß: In zehn der 48 sächsischen Planungsgebiete herrscht oder droht Unterversorgung.
Der sogenannte Versorgungsgrad zeigt, wie gut die Bevölkerung in einer Region medizinisch betreut wird. Er vergleicht die tatsächlich vorhandene Zahl an Ärzten mit dem rechnerischen Bedarf. Von Unterversorgung ist in der Regel die Rede, wenn der Wert unter 75 Prozent liegt. Besonders angespannt ist die Lage etwa im Planungsbereich Werdau, der bei Hausärzten nur zu 69,1 Prozent versorgt ist. Rein rechnerisch fehlen in Sachsen rund 308 zusätzliche Hausärzte zu den vorhandenen 2.607.
Auch bei Fachärzten gibt es regionale Engpässe. Bei Augenärzten liegt der Versorgungsgrad in Stollberg bei nur 67,7 Prozent. Bei HNO-Ärzten gibt es unter anderem in Freiberg, Löbau-Zittau und der Sächsischen Schweiz Unterversorgung. Besonders drastisch ist die Lage bei Hautärzten in Löbau-Zittau mit einem Versorgungsgrad von nur 15 Prozent. Auch bei Kinderärzten, Urologen sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden Lücken deutlich.
Gesundheitsministerin Petra Köpping verweist zugleich auf eine veränderte Arbeitswelt. Zwar sei die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Sachsen von rund 13.000 im Jahr 1995 auf knapp 20.200 im Jahr 2024 gestiegen. Viele Medizinerinnen und Mediziner arbeiteten heute aber mit einem stärkeren Fokus auf Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Dadurch gebe es trotz steigender Ärztezahlen weiterhin unbesetzte Arztsitze.
Das Ministerium sieht dennoch erste Verbesserungen. Sachsen habe unter anderem mehr Studienplätze geschaffen, die Landarztquote eingeführt und Programme zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum auf den Weg gebracht. Aktuell seien 435 junge Menschen in entsprechenden Studienprogrammen gebunden. In den kommenden Jahren sollen jährlich 10 bis 30 zusätzliche Hausärztinnen und Hausärzte in ländlichen Regionen ankommen.
Linke-Fraktionschefin Susanne Schaper warnt jedoch, dass der Wohnort nicht darüber entscheiden dürfe, wie schnell Menschen ärztliche Hilfe bekommen. Die Landarztquote allein werde das Problem aus ihrer Sicht nicht lösen. Sie fordert unter anderem mehr Studienplätze, schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Bürokratieabbau und eine bessere Vergütung.