Dresden - Der Freistaat Sachsen fördert vier Modellprojekte zum klimaresilienten Stadtumbau. Unterstützt werden Vorhaben in Leipzig, Nossen, Ottendorf-Okrilla und Dresden. Insgesamt stehen dafür 948.000 Euro Landesmittel bereit. Die Förderbescheide werden den beteiligten Städten und Gemeinden durch die Sächsische Aufbaubank zugestellt.
Ziel der Modellprojekte ist es, konkrete Lösungen für klimatische Herausforderungen wie Hitze, Trockenheit und Starkregen zu erproben. Die Projekte sollen zeigen, wie Kommunen ihre Stadt- und Ortskerne besser an veränderte Klimabedingungen anpassen können. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen dazu beitragen, Wohn- und Lebensqualität zu erhalten und Innenstädte sowie Ortsteile lebenswert zu gestalten.
Dem Förderaufruf des Sächsischen Staatsministeriums für Infrastruktur und Landesentwicklung waren 24 Projektskizzen gefolgt. Das beantragte Fördervolumen lag bei rund 4,6 Millionen Euro. Damit war das Programm nach Angaben des Ministeriums rund vierfach überzeichnet. Ein Fachkreis mit Vertretern aus Ministerien, Praxis und Forschung wählte anhand fachlicher Kriterien vier Modellprojekte aus.
Staatsministerin Regina Kraushaar erklärte, die große Resonanz zeige, dass viele Kommunen ihre Stadt- und Ortskerne besser auf Hitze, Starkregen und Trockenheit vorbereiten wollen. Besonders erfreulich sei, dass die Konzepte auch als übertragbare Beispiele für andere Städte verstanden würden.
Leipzig: Niederschlagsmanagement in der Steinstraße
In Leipzig soll ein Abschnitt der Steinstraße in der Südvorstadt West klimaangepasst umgestaltet werden. Das Projekt wird im Zuge des Fernwärmeausbaus umgesetzt. Geplant ist ein wassersensibler Straßenraum, in dem Niederschlagswasser direkt vor Ort versickern kann.
Erprobt werden sogenannte blau-grüne Systembausteine. Diese sollen künftig auch bei weiteren Straßen- und Leitungsbauprojekten eingesetzt werden können. Der Freistaat fördert das Leipziger Vorhaben mit 250.000 Euro.
Nossen: Schulhof wird entsiegelt und begrünt
In Nossen steht die Dr.-Eberle-Oberschule im Mittelpunkt. Dort soll der nahezu vollständig versiegelte Schulhof umgestaltet werden. Vorgesehen sind unter anderem eine großflächige Entsiegelung, Begrünung, Verschattung durch Bäume und Sonnensegel sowie Blütenhecken als Bienennahrung.
Der Schulhof soll künftig nicht nur Aufenthaltsfläche, sondern auch Lern- und Erholungsraum sein. Schüler sollen in Planung, Nutzung und Pflege eingebunden werden. Auch dieses Projekt erhält 250.000 Euro Landesförderung.
Ottendorf-Okrilla: Schwammstadt für die neue Ortsmitte
In Ottendorf-Okrilla soll für die neue Ortsmitte ein Konzept nach dem Schwammstadtprinzip erarbeitet werden. Dabei werden Regenwasser, Grünflächen, Oberflächen und unterirdische Infrastruktur gemeinsam betrachtet.
Das Projekt soll vor allem für kleinere und mittlere Kommunen mit neuen Quartiersentwicklungen oder Brachflächen beispielgebend sein. Die Förderung durch den Freistaat beträgt 250.000 Euro.
Dresden: Klimaresilienter Kulturpalast-Vorplatz
In Dresden soll der Vorplatz des Kulturpalastes weiterentwickelt werden. Unter dem Titel „Urban Re – Räume für morgen“ sind modulare Begrünung, temporäre Verschattung und intelligente Wassernutzung vorgesehen.
Ergänzend soll ein elektrisch betriebener Bio-Luftfilter eingesetzt werden. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und durch Kultur-, Bildungs- und Beteiligungsformate ergänzt. Der Freistaat fördert das Dresdner Vorhaben mit 198.000 Euro.
Praxisbeispiele für weitere Kommunen
Die Förderung erfolgt auf Grundlage der Förderrichtlinie Städtebauliche Erneuerung. Die maximale Förderhöhe für ein Modellprojekt liegt bei 250.000 Euro. Die vier ausgewählten Vorhaben sollen nach ihrer Umsetzung als Praxisbeispiele für andere Kommunen dienen.
Am 25. Juni 2026 werden die Modellvorhaben im Rahmen der Woche der Baukultur bei einer Fachveranstaltung in Oschatz vorgestellt. Dort sollen die Ansätze mit Kommunen, Fachpraxis, Wissenschaft und weiteren Akteuren diskutiert werden.
Blau-grüne Infrastruktur verbindet Wasser- und Grünflächen in Städten und Gemeinden. Dazu gehören unter anderem entsiegelte Flächen, neue Grünräume, begrünte Dächer und Fassaden, Rückhalteflächen oder Anlagen, die Regenwasser speichern und verzögert abgeben. Ziel ist es, Städte besser vor Überhitzung, Trockenheit und Starkregen zu schützen und zugleich Kanalisation und Gewässer zu entlasten.
Auch über das EU-geförderte Landesprogramm der nachhaltigen integrierten Stadtentwicklung sowie über die Städtebauförderung können Maßnahmen für blau-grüne Infrastruktur unterstützt werden.