Köln/Leipzig - Hochschulen in Ostdeutschland melden einer Studie zufolge deutlich mehr Patente an als Hochschulen im Westen Deutschlands. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. Demnach kommen ostdeutsche Hochschulen auf 3,9 Patentanmeldungen je 1.000 Studierende. Westdeutsche Einrichtungen erreichen im Vergleich 1,8 Patentanmeldungen je 1.000 Studierende.
Die Untersuchung betrachtet Patentanmeldungen aus den Jahren 2018 bis 2022 mit Deutschland-Bezug. Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass Patente nur einen Teil der Innovationsleistung abbilden. Zudem haben technisch ausgerichtete und kleinere Hochschulen bei dieser Betrachtung Vorteile. Rückschlüsse auf die Innovationskraft ganzer Regionen sind daher nur eingeschränkt möglich.
Im Vergleich der Bundesländer belegt Sachsen den ersten Platz. Laut Studie kommen sächsische Hochschulen auf 5,4 Patentanmeldungen pro 1.000 Studierende. Auf Platz zwei folgt Thüringen mit 4,7 Patenten je 1.000 Studierende.
Baden-Württemberg liegt mit 3,3 Patenten pro 1.000 Studierende auf Rang drei und ist damit das einzige westdeutsche Bundesland unter den ersten vier Plätzen. Sachsen-Anhalt folgt mit 2,7 Patenten pro 1.000 Studierende. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei zwei Patentanmeldungen je 1.000 Studierende.
Am unteren Ende des Rankings stehen Berlin und Nordrhein-Westfalen mit jeweils gut einer Patentanmeldung pro 1.000 Studierende.
Auch bei der Betrachtung einzelner Hochschulen schneiden ostdeutsche Einrichtungen besonders stark ab. Die Technische Universität Bergakademie Freiberg erreicht laut Studie rund 24 Patente je 1.000 Studierende. Damit liegt sie beim Pro-Kopf-Wert vorn.
Dahinter folgt die Technische Universität Ilmenau mit etwa 18 Patenten je 1.000 Studierende. Beide Hochschulen profitieren in dieser Betrachtung auch davon, dass technisch ausgerichtete und kleinere Einrichtungen bei Patentauswertungen häufig höhere Pro-Kopf-Werte erreichen können.
Bei der absoluten Zahl der Patentanmeldungen liegt die Technische Universität Dresden an der Spitze. Im untersuchten Zeitraum von 2018 bis 2022 kommt sie auf rund 300 Patentanmeldungen. Damit liegt die TU Dresden vor der Technischen Universität München und der RWTH Aachen.
Die Ergebnisse zeigen nach Einschätzung der Studie, dass ostdeutsche Hochschulen bei patentierbaren technischen Entwicklungen eine wichtige Rolle spielen. Besonders deutlich wird das in Sachsen, wo sowohl die TU Dresden als auch die TU Bergakademie Freiberg in den Auswertungen hervorstechen.
Kooperationen spielen bei Hochschulpatenten eine wichtige Rolle. Laut Studie entsteht fast jedes dritte Hochschulpatent in Zusammenarbeit mit Partnern. IW-Experte Oliver Koppel ordnet Patente als wichtigen Schritt auf dem Weg zu neuen Produkten ein. Wer heute ein Patent anmelde, bringe häufig morgen ein neues Produkt auf den Markt.
Für Unternehmen sind Hochschulen damit wichtige Ideenschmieden. Patentanmeldungen können Hinweise darauf geben, wo Forschungsergebnisse in technische Anwendungen überführt werden. Gleichzeitig betonen die Autoren der Untersuchung, dass Patente nicht die gesamte Forschungs- und Innovationsleistung einer Hochschule erfassen.
Die Studie macht deutlich, dass Patentanmeldungen ein messbarer, aber begrenzter Indikator für Innovation sind. Forschungsleistungen in Bereichen, die nicht oder nur selten patentiert werden, bleiben dabei weitgehend unberücksichtigt. Auch Unterschiede in der Fächerstruktur, der Größe von Hochschulen und der technischen Ausrichtung beeinflussen die Ergebnisse.
Trotz dieser Einschränkungen zeigt die Untersuchung eine deutliche Stärke ostdeutscher Hochschulen bei Patentanmeldungen. Sachsen nimmt dabei bundesweit eine Spitzenposition ein.