Di., 18.11.2025 , 13:47 Uhr

Neue Daten zeigen sinkenden Ausfall – Verbände und FDP üben Kritik.

Sachsen meldet Rückgang beim Unterrichtsausfall

Sachsen verzeichnet erstmals seit zehn Jahren weniger Unterrichtsausfall. Während Kultusminister Clemens von einer Trendwende spricht, kritisieren Lehrerverband und FDP die Aussagekraft der Statistik.

Dresden - Sachsen gelingt nach eigenen Angaben eine Trendwende bei der Unterrichtsversorgung. Kultusminister Conrad Clemens stellte am Dienstag (18. November 2025) die aktuellen Kenndaten zum Stichtag 1. Oktober vor. „Mehr Lehrkräfte, weniger Ausfall“, erklärte er und betonte, erstmals seit zehn Jahren gebe es rückläufige Zahlen beim Unterrichtsausfall – trotz steigender Schülerzahlen.

Rückgang beim planmäßigen und außerplanmäßigen Unterrichtsausfall

Im August fielen 3,1 Prozent der Unterrichtsstunden planmäßig aus (Vorjahr: 3,6 Prozent), im September 3,2 Prozent (Vorjahr: 3,7 Prozent). Besonders stark verbessert haben sich die Oberschulen, wo der planmäßige Ausfall im August von 8 auf 5,8 Prozent sank.

Auch der außerplanmäßige Unterrichtsausfall – etwa durch Krankheit, Fortbildungen oder Veranstaltungen – ging zurück. Er lag im August bei 3,4 statt 3,8 Prozent und im September bei 5,4 statt 5,6 Prozent. Die detaillierte Statistik soll wie üblich nach jedem Schulhalbjahr schulscharf veröffentlicht werden.

Unterrichtsabsicherung in vielen Schularten über 90 Prozent

Die Unterrichtsabsicherung stieg im Vergleich zum Vorjahr in fast allen Schularten. Sie liegt nun im Grundschulbereich bei 98,8 Prozent, an Oberschulen bei 92,4 Prozent, an Gymnasien bei 97,8 Prozent, an Förderschulen bei 90,2 Prozent und an berufsbildenden Schulen bei 95,7 Prozent.

Mehr Lehrkräfte eingestellt

Insgesamt wurden in den Einstellungsverfahren zum Mai, August und November Lehrkräfte mit einem Arbeitsvolumen von 1.533,7 Vollzeitäquivalenten eingestellt – inklusive Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern. Der ungedeckte Bedarf sinkt damit auf 1.154 VZÄ. Seit zehn Jahren stellt Sachsen mehr Lehrkräfte ein, als aus dem Schuldienst ausscheiden.

Maßnahmenpaket entlastet Oberschulen

Oberschulen profitieren besonders von Abordnungen. Zum Stichtag wurden 84,5 Vollzeitäquivalente von Grundschulen sowie 159,5 von Gymnasien an Grundschulen abgeordnet. An den zehn Schulen mit dem höchsten Unterrichtsausfall des vergangenen Schuljahres sank der Ausfall im September von durchschnittlich 34,6 auf 22,8 Prozent.

Herausforderungen bleiben bestehen

Der Anteil der in Teilzeit arbeitenden Lehrkräfte stieg auf 35,9 Prozent. Das durchschnittliche Arbeitsvermögen sank dadurch von 90,9 auf 90,4 Prozent.

In Sachsens Schulen lernen derzeit 440.414 Schülerinnen und Schüler – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Während die Schülerzahlen an weiterführenden Schulen zunahmen, gingen sie an Grundschulen zurück.

Die durchschnittliche Klassengröße sank leicht von 21,1 auf 21,0. Die Zahl großer Klassen über 28 Schülerinnen und Schüler ist auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren. Gleichzeitig steigt die Zahl der inklusiv unterrichteten Kinder mit Förderbedarf weiter an – auf nun 13.118.

Kritik des Sächsischen Lehrerverbandes

Der Sächsische Lehrerverband (SLV) kritisiert die Darstellung des Kultusministeriums als „irreführend“. Die Statistik bilde nicht ab, was tatsächlich an vielen Schulen passiert sei. Laut SLV-Vorsitzendem Michael Jung seien in zahlreichen Schulen wochenlang reguläre Fachunterrichtsstunden ausgefallen. Stattdessen habe es Klassenleiterunterricht, verkürzte Stunden oder reine Betreuung gegeben – Maßnahmen, die statistisch nicht als Unterrichtsausfall gelten.

Zudem werde Unterricht nicht erfasst, der aufgrund fehlender personeller Ressourcen gar nicht erst eingeplant wurde. Auch Sonderpläne zu Beginn des Schuljahres würden die Statistik verzerren. Der Verband fordert daher eine „ehrliche und transparente Erfassung“ aller Unterversorgungen.

FDP wirft fehlenden Qualitätsfokus vor

Auch die FDP Sachsen äußert deutliche Kritik. Landesvorsitzender Schniebel bemängelt die Auswirkungen umfangreicher Abordnungen auf die Kollegien und spricht von „Kollateralschäden“. Zudem seien Anrechnungsstunden, Budgets und Flexibilität der Schulen eingeschränkt worden. Die Freien Demokraten kritisieren, dass Probleme lediglich zwischen Schularten verlagert würden.

Die FDP fordert mehr Eigenverantwortung für Schulen, um attraktive Lern- und Arbeitsumgebungen zu schaffen.