Mo., 05.01.2026 , 10:10 Uhr

Unternehmen und Forschung hoffen auf Impulse aus dem All

Sachsen plant eigenen Satelliten Saxon-1

Sachsen plant mit „Saxon-1“ eine eigene Satellitenmission. Mittelstand und Forschung versprechen sich neue Chancen, doch die Finanzierung ist noch offen.

Dresden - Sachsen strebt in den kommenden Jahren verstärkt in den Weltraum. Mit einer eigenen Satellitenmission wollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Freistaat vom wachsenden Raumfahrtmarkt profitieren. Der geplante Satellit trägt bereits einen Namen: Saxon-1. Ziel ist es, sächsische Technologien unter realen Bedingungen im All zu erproben und sichtbar zu machen.

Nach Einschätzung von Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) eröffnet ein eigenes „Ticket ins All“ insbesondere für mittelständische Unternehmen neue Perspektiven. Sie könnten innovative Technologien testen, demonstrieren und später skalieren. Das Projekt habe das Potenzial, sich zu einem technologischen Leuchtturm zu entwickeln und die Leistungsfähigkeit Sachsens überregional bekannt zu machen.

Der Zeitpunkt für das Vorhaben gilt als günstig. Der Bund plant in den kommenden Jahren hohe Investitionen in Raumfahrt und Weltraumsicherheit. Allein das Verteidigungsministerium will bis 2030 bis zu 35 Milliarden Euro in diesen Bereich investieren. Der globale Markt für weltraumgestützte Anwendungen wird nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums bis 2040 auf rund 1,25 Billionen Euro geschätzt. Um daran teilzuhaben, müsse Sachsen seine technologischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Eine zentrale Rolle bei der geplanten Mission spielt die Demonstration einer konkreten Anwendung aus dem Freistaat. Professor Andreas Knopp, der an der Universität der Bundeswehr München lehrt, erläutert, dass dafür rund fünf Millionen Euro vom Land benötigt würden. Mit diesen Mitteln ließe sich eine gleich hohe Förderung durch den Bund ergänzen. Zugleich könne eine solche Mission die Zusammenarbeit sächsischer Unternehmen stärken.

Nach aktuellem Stand soll Saxon-1 im Jahr 2027 in den Orbit starten. Sachsen verfügt bereits über eine wachsende Raumfahrtindustrie. Im Herbst hatte das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB angekündigt, das Technisat-Werk im Vogtland zu übernehmen. Künftig sollen dort statt Unterhaltungselektronik Komponenten für Satelliten wie Leiterplatten, Kabelbäume und Verbindungsstücke gefertigt werden.

Darüber hinaus haben sich in Sachsen mehrere kleinere und oft junge Unternehmen auf Weltraumtechnik spezialisiert. Dazu zählen unter anderem Neosat, Inradios und Morpheus Space in Dresden. Neosat-Geschäftsführer Kai-Uwe Storek spricht von einem neuen Ökosystem aus kleinen und mittleren Firmen. Sein Unternehmen entwickelt Signalprozessoren für die Satellitenkommunikation. Um Raumfahrtprodukte vermarkten zu können, sei jedoch ein Nachweis erforderlich, dass diese bereits im All eingesetzt wurden – ein Problem, das Saxon-1 lösen soll.

Bislang wollen sich sieben Unternehmen an der Mission beteiligen. Eine verbindliche Finanzierungszusage des Landes Sachsen steht jedoch noch aus. Das Wirtschaftsministerium teilte auf Anfrage mit, mögliche Förderoptionen bei weiterer Konkretisierung des Projekts sorgfältig zu prüfen. Über Umfang und Herkunft möglicher Landesmittel sei bislang nicht entschieden.

Sachsen verfügt über eine lange Tradition in der Raumfahrt und Astronomie. Zahlreiche Sternwarten, die Deutsche Raumfahrtausstellung im Vogtland sowie der erste deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn, der aus Sachsen stammte, zeugen davon. Künftig soll zudem die Lausitz mit dem Aufbau des Deutsches Zentrum für Astrophysik eine wichtige Rolle in der Erforschung des Universums übernehmen. Auch als Standort für das geplante Einstein-Teleskop hofft der Freistaat auf den Zuschlag.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums erwirtschaftet die Luft- und Raumfahrtindustrie in Sachsen mit mehr als 7.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Zur Branche zählen etwa 160 Unternehmen, detaillierte Zahlen speziell zur Raumfahrt liegen bislang nicht vor.