Di., 19.05.2026 , 13:21 Uhr

Kultusministerium stellt Lehrerbedarfsprognose bis 2040 vor

Sachsen plant mit weniger Lehrkräften

Sachsen rechnet bis 2040/2041 mit deutlich weniger Schülern. Der Lehrerbedarf soll um rund 4.600 Stellen sinken.

Dresden - Das Sächsische Staatsministerium für Kultus hat am Dienstag die Lehrerbedarfsprognose für öffentliche Schulen in Sachsen bis zum Schuljahr 2040/2041 vorgestellt. Grundlage sind die 4. Schüler- und Absolventenprognose des Statistischen Landesamtes sowie die Kenndaten des Schuljahres 2025/2026.

Nach Angaben des Ministeriums bleibt der Bedarf an Lehrkräften in den kommenden vier Jahren zunächst weitgehend stabil. Ab dem Schuljahr 2031/2032 soll die Zahl der Schüler jedoch deutlich zurückgehen. Daraus leitet das Kultusministerium einen sinkenden Bedarf an Lehrkräften ab.

Bis zum Schuljahr 2040/2041 wird ein Rückgang von etwa 80.000 Schülern im Vergleich zum aktuellen Schuljahr erwartet. In der Folge soll sich der Bedarf an Lehrkräften bis zum Ende des Prognosezeitraums um rund 4.600 Stellen verringern.

Clemens verweist auf Puffer und neue Maßnahmen

Kultusminister Conrad Clemens erklärte, Sachsen stärke das Bildungsangebot unter anderem mit mehr Sachkunde und Sport sowie mit der Einführung einer Klassenstunde. Bei sinkenden Schülerzahlen würden künftig weniger Lehrkräfte benötigt. Zugleich solle ein Puffer geschaffen werden, um Lehrkräfte zu entlasten, die Bildungsqualität zu erhöhen und flexibler auf neue Herausforderungen reagieren zu können.

Zudem kündigte Clemens an, im neuen Doppelhaushalt einen eigenen Stellenplan für pädagogische Fachkräfte im Unterricht und Assistenten verankern zu wollen. Dadurch solle Planungssicherheit für künftige Entscheidungen entstehen.

Mehr Sachunterricht, Sport und Klassenstunden geplant

In der Prognose sind mehrere Maßnahmen zur Stärkung des Bildungsangebotes berücksichtigt. Ab dem Schuljahr 2026/2027 soll die Stundentafel in Klassenstufe 3 um eine Unterrichtsstunde Sachunterricht erhöht werden. Ebenfalls ab diesem Schuljahr werden höhere Aufwände für die Diagnostik der Teilleistungsschwäche Dyskalkulie berücksichtigt.

Ab dem Schuljahr 2027/2028 ist eine dritte Sportstunde in Klassenstufe 4 vorgesehen. Ab 2028/2029 soll es an Schulen mit Primarstufe eine Stunde individuelle Förderung beziehungsweise Anfangsunterricht geben, insbesondere im Bereich der Basiskompetenzen mit Fokus auf sprachliche Kompetenzen.

Ebenfalls ab 2028/2029 soll eine Klassenstunde ab Klassenstufe 1 schrittweise bis Klassenstufe 4 eingeführt werden. Ab 2029/2030 ist die Einführung einer Klassenstunde ab Klassenstufe 5 geplant, aufwachsend bis Klassenstufe 10.

Schülerzahlen sinken besonders an Grundschulen

Laut zugrunde liegender Schülerzahlprognose hat die Gesamtschülerzahl an den öffentlichen Schulen im Schuljahr 2025/2026 mit rund 440.000 Schülern ihren Höchstwert erreicht. Dieses Niveau soll noch drei weitere Schuljahre bestehen bleiben. Danach wird ein deutlicher Rückgang erwartet.

An den Grundschulen wurde der Höchstwert bereits im Schuljahr 2023/2024 erreicht. Oberschulen und Gymnasien sollen ihren Höchstwert im Schuljahr 2029/2030 erreichen. Bis 2040/2041 wird an den allgemeinbildenden Schulen ein Rückgang der Schülerzahlen um bis zu 20 Prozent prognostiziert. Besonders deutlich fällt die Entwicklung an Grundschulen aus. Dort wird ein Rückgang um bis zu 25 Prozent erwartet.

An den berufsbildenden Schulen soll die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2033/2034 steigen und danach nur leicht abnehmen. Für Förderschulen wird nach einer weitgehend konstanten Entwicklung bis zum Ende der Dekade ein leichter Rückgang bis zum Ende des Prognosezeitraums erwartet.

GEW begrüßt Planung, äußert aber Kritik

Die Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen begrüßt, dass mit der Lehrerbedarfsprognose eine langfristige Planung vorliegt. Der GEW-Landesvorsitzende Burkhard Naumann erklärte, Schule dürfe nicht nur in Wahlperioden gedacht werden, sondern brauche eine langfristige und verlässliche Planung.

Positiv bewertet die GEW unter anderem die geplante schrittweise Einführung der Klassenleitungsstunde. Diese sei angesichts der vielfältigen Aufgaben von Klassenleitungen der richtige Schritt, komme aus Sicht der Gewerkschaft aber zu spät. Auch der volle Ergänzungsbereich wird von der GEW begrüßt, weil Schulen dadurch wieder mehr Puffer für Vertretungsstunden erhalten sollen.

Gewerkschaft warnt vor Unterrichtsausfall nach 2030

Zugleich warnt die GEW Sachsen davor, Stellen zu schnell zu reduzieren. Sie befürchtet, dass sich Probleme bei der Unterrichtsversorgung und die hohe Belastung der Lehrkräfte nach 2030 fortsetzen könnten.

Naumann kritisierte, das Kultusministerium orientiere sich beim Bedarf allein an der unteren Prognose der Schülerzahlen. Aus Sicht der GEW hätten die vergangenen Jahre gezeigt, dass dies problematisch sei. Zudem reichten die Absolventenzahlen auch in den kommenden Jahren nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Die GEW verweist außerdem auf hohe Altersabgänge und kritisiert, dass Empfehlungen eines Expertengremiums zur Arbeitszeitstudie nicht ausreichend berücksichtigt würden. Genannt werden unter anderem stärkere Entlastungen für Unterricht in der Oberstufe, für Schulleitungen sowie eine Absenkung der Pflichtstunden für Lehrkräfte an Grundschulen.