Dresden - In Sachsen hat die Zeit begonnen, in der vermehrt Wolfsangriffe auf Weidetiere zu erwarten sind. Seit Anfang August gab es im Landkreis Meißen bereits neun bestätigte Rissereignisse, unter anderem in Ebersbach, Radeburg, Thiendorf und Lampertswalde. In einem Fall war sogar ein Kalb betroffen. Auffällig ist, dass sechs von acht betroffenen Schafherden bereits nach Mindestschutzstandards gesichert waren.
Die Fachstelle Wolf des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) rät Tierhaltern deshalb dringend, ihre Schutzmaßnahmen zu überprüfen. Besonders wichtig ist eine Zaunspannung von mindestens 4.000 Volt auf der gesamten Länge. Zusätzlich sollte ein bewegliches Flatterband etwa 30 Zentimeter oberhalb des Zauns angebracht werden. Dies erhöht die optische Barriere und schreckt Wölfe ab.
Ein wirksamer Herdenschutz trägt dazu bei, dass Wölfe Weidetiere nicht als leichte Beute betrachten. Jeder erfolgreiche Übergriff auf unzureichend gesicherte Herden fördert hingegen unerwünschtes Verhalten. Deshalb ist es entscheidend, dass Tierhalter die Schutzmaßnahmen konsequent umsetzen.
Um Landwirte und Kleinsttierhalter zu unterstützen, bietet die Fachstelle Wolf gemeinsam mit dem Schaf- und Ziegenzuchtverband Sachsen e.V. kostenlose Seminare an. Das nächste Praxisseminar findet am 11. September 2025 in Ebersbach statt. Angesprochen sind besonders Halter von Schafen und Ziegen in kleinen Beständen.
Auch die Kosten für präventive Maßnahmen werden in Sachsen gefördert. Empfohlen sind stromführende Zäune mit einer Mindesthöhe von 105 Zentimetern. Zusätzlich bietet die Fachstelle Wolf eine kostenfreie Beratung an.
Melden Tierhalter mögliche Wolfsübergriffe, müssen diese innerhalb von 24 Stunden angezeigt werden. Danach findet eine gemeinsame Begutachtung durch Fachleute statt.
Hintergrund ist die Saisonalität des Wolfsrissgeschehens: Im Frühjahr und Sommer sind Wolfswelpen auf die Betreuung angewiesen, und die Jagd auf Wildtiere ist leichter. Im Spätsommer und Herbst hingegen steigt der Nahrungsbedarf stark, während das Wild kräftiger und schwerer zu erbeuten ist. Dann häufen sich Übergriffe auf Weidetiere, die nicht ausreichend geschützt sind.