Fr., 24.04.2026 , 09:09 Uhr

Bis 2030 sollen autonome Fahrzeuge im ÖPNV in den Regelbetrieb kommen

Sachsen treibt autonomes Fahren voran

Sachsen will autonomes Fahren im öffentlichen Nahverkehr schneller voranbringen. Bis 2030 sollen die Voraussetzungen für den Regelbetrieb geschaffen werden.

Dresden - Der Freistaat Sachsen will beim autonomen Fahren im öffentlichen Personennahverkehr mehr Tempo machen. Bei der Fachtagung „Vision 2030: Autonomes Fahren im sächsischen ÖPNV“ haben Staatsministerin Regina Kraushaar und Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel am 23. April 2026 gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und der ÖPNV-Branche eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Ziel ist es, autonom fahrende Fahrzeuge künftig alltagstauglich und wirtschaftlich im öffentlichen Nahverkehr einzusetzen. Nach Angaben des Freistaats sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Fahrzeuge auf SAE-Level 4, also hochautomatisiertes Fahren, bis 2030 in den Regelbetrieb überführt werden können. Die bisherigen Modell- und Pilotversuche sollen dann perspektivisch abgelöst werden.

Staatsministerin Regina Kraushaar sieht im autonomen Fahren einen wichtigen Schritt für die Mobilität in Sachsen. „Autonomes Fahren im öffentlichen Personennahverkehr wird die Mobilität im Freistaat grundlegend verändern und verbessern“, erklärte sie. Deshalb müssten bereits heute die Weichen für die kommenden Jahre gestellt werden. Das Ziel sei, dass bis 2030 autonom fahrende Fahrzeuge im ÖPNV im Regelbetrieb eingesetzt werden.

Kraushaar betonte zugleich, dass dafür viele Akteure zusammenarbeiten müssten. Die Politik müsse Rahmenbedingungen setzen, Verkehrsunternehmen neue Betriebsmodelle entwickeln und in die Praxis bringen, die Industrie sichere und zuverlässige Systeme produzieren und die Wissenschaft methodische Grundlagen liefern. Insgesamt haben 19 Partner die Absichtserklärung unterzeichnet.

Auch Wirtschaftsstaatssekretär Sebastian Scheel hob die Bedeutung des Themas für den Standort Sachsen hervor. Die Mobilitätswende sei nicht nur eine Antriebswende, sondern umfasse auch die Digitalisierung von Fahrzeugen und Infrastruktur. Sachsen biete aus seiner Sicht gute Voraussetzungen, sich als europäischer Standort für intelligente und automatisierte Mobilität zu etablieren. Als Stärken nannte er den klassischen Automobilbau, Maschinenbau, Mikroelektronik sowie die IT- und Forschungslandschaft im Freistaat.

Scheel verwies zudem auf das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Sächsische Initiative Automatisierte Shuttle im ÖPNV – SIAS-ÖV“, das kürzlich in Leipzig gestartet ist. Das Projekt soll den Weg für fahrerlose Shuttlebusse industrieller Hersteller im öffentlichen Verkehr ebnen. Die Europäische Kommission und der Freistaat Sachsen fördern das Vorhaben mit rund 9,5 Millionen Euro aus der sächsischen EFRE-Technologieförderung 2021 bis 2027.

Mit der Absichtserklärung wollen die beteiligten Partner ihre Kompetenzen bündeln und Innovationen schneller in die praktische Anwendung bringen. Besonders im städtischen Umland und im ländlichen Raum sollen dadurch neue und flexible Mobilitätsangebote entstehen. Der öffentliche Verkehr soll insgesamt attraktiver und effizienter gestaltet werden.

Nach dem angestrebten Regelbetrieb bis 2030 soll in den 2030er Jahren auch die Skalierung autonomer Angebote folgen. Zudem wird der Güterverkehr als weiterer Bereich genannt, der perspektivisch in den Blick genommen werden soll.

Die Fachtagung des Sächsischen Staatsministeriums für Infrastruktur und Landesentwicklung beschäftigte sich mit dem aktuellen Stand des autonomen Fahrens im sächsischen ÖPNV. Im Mittelpunkt standen unter anderem bestehende Hürden auf dem Weg zum Regelbetrieb sowie die Frage, welche Beiträge Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verkehrsunternehmen leisten müssen. Neben Fachvorträgen und Diskussionen wurden auch konkrete Anwendungsbeispiele und technologische Entwicklungen vorgestellt.

Unterzeichnet wurde die Absichtserklärung von 19 Partnern. Dazu gehören unter anderem das AMZ Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen, die Bertrandt Group, CADA Chemnitz Automated Driving Alliance, DB Regio, das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI, IAV, die Landeshauptstadt Dresden, der Landkreis Nordsachsen, die Leipziger Verkehrsbetriebe, die Sächsische Energieagentur SAENA, mehrere sächsische Ministerien, die Stadt Leipzig, die Technische Universität Dresden, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Volkswagen Sachsen und der Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen.