Dresden - Sachsen und Ägypten wollen ihre Zusammenarbeit bei der Fachkräftegewinnung ausbauen. Vertreter beider Seiten haben dazu in der ägyptischen Botschaft in Berlin eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist es, qualifizierten Fach- und Arbeitskräften aus Ägypten den Weg nach Sachsen zu erleichtern und zugleich klare, faire und verlässliche Verfahren zu schaffen.
Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von Markus Franke, dem Bevollmächtigten des Freistaates Sachsen beim Bund, und Nabil Habashy, dem stellvertretenden ägyptischen Außenminister für Migration und Angelegenheiten der ägyptischen Auswanderer.
Hintergrund der Kooperation ist die demografische Entwicklung in Sachsen. Nach Berechnungen wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in den kommenden zehn Jahren jährlich um 13.000 bis 15.000 potenzielle Arbeitskräfte sinken.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal. Der Freistaat setzt deshalb neben der Aktivierung inländischer Arbeitskräftepotenziale auch auf internationale Zuwanderung. Ägypten gehört zu den vom sächsischen Kabinett festgelegten Zielregionen für die Fachkräftegewinnung.
Zum 31. Dezember 2025 waren in Sachsen 675 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit ägyptischer Staatsangehörigkeit registriert. Darunter waren 14 Auszubildende. Weitere 54 Personen mit ägyptischer Staatsangehörigkeit waren ausschließlich geringfügig beschäftigt.
Ein nächster praktischer Schritt ist bereits geplant. Vom 7. bis 11. November 2026 wollen Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz sowie der Wirtschaftsförderung Sachsen nach Ägypten reisen.
Vor Ort sollen konkrete Projekte und neue Kontakte ausgelotet werden. Geplant sind unter anderem Gespräche mit staatlichen Stellen und Bildungspartnern in Kairo.
Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter betont, dass Sachsen im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte schneller werden müsse. Die Partnerschaft solle Menschen eine langfristige Perspektive in Sachsen bieten und zugleich transparent und verlässlich organisiert sein.
Die Kooperation soll sich nach Angaben des Freistaates nicht nur auf die Vermittlung von Arbeitskräften beschränken. Geplant ist ein breiterer Austausch zwischen beiden Ländern.
Dazu gehören der Austausch über faire Arbeitsmobilität, die Vermittlung von Grundsätzen der dualen Berufsausbildung sowie eine stärkere Vernetzung von Unternehmen, Kammern und Bildungseinrichtungen. Auch Verfahren für die Einwanderung potenzieller Fachkräfte sollen verbessert werden.
Zur Umsetzung ist ein gemeinsames ägyptisch-sächsisches Fachgremium vorgesehen. Es soll zweimal pro Jahr zusammenkommen, den Stand der Zusammenarbeit prüfen und weitere Schritte abstimmen.
Die neue Vereinbarung baut auf bereits bestehenden Beziehungen auf. 2025 wurden während einer Delegationsreise von Ministerpräsident Michael Kretschmer unter anderem die Saxony Egypt University in Kairo eröffnet und weitere wissenschaftliche Kontakte über das Saxon Science Liaison Office aufgebaut.
Auch die IHK zu Leipzig arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit der Deutschen Hotelschule in El Gouna zusammen.
Die Wirtschaftsförderung Sachsen nennt zudem die Saxony International School, die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer Kairo und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit als bestehende Partner.
Mit der geplanten Reise im November soll die Zusammenarbeit in eine konkrete Projektphase übergehen. Ziel ist es, in den kommenden Jahren mehr qualifizierte Fachkräfte aus Ägypten für Sachsen zu gewinnen.