So., 22.03.2026 , 09:24 Uhr

Im alten Silberbergwerk wird aus Lagerung zugleich ein Forschungsprojekt

Freiberg: Warum Whisky tief unter Tage reift

Whisky, der nicht im Lagerhaus, sondern tief im Berg entsteht: In Freiberg reift die Spirituose in einem alten Silberbergwerk. Das Besondere daran ist nicht nur der außergewöhnliche Ort, sondern auch die Forschung, die dort parallel läuft. Sachsen Fernsehen fasst zusammen, warum das Projekt so besonders ist.

Der Weg zum Freiberger Whisky führt tief unter die Erde. Im ehemaligen Silberbergwerk „Reiche Zeche“ lagern auf der ersten Sohle in 147 Metern Tiefe insgesamt 16 Eichenfässer. Dort herrschen konstante Bedingungen mit rund 12 Grad, sehr hoher Luftfeuchtigkeit und stabilem Luftzug – ein Klima, das sich deutlich von herkömmlichen Lagerorten unterscheidet.

Hinter dem Projekt steht die Freiberger Whisky Manufaktur, die vor zehn Jahren von 13 Partnern um Hans-Michael Eßlinger gegründet wurde. Der Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Getränketechnologie sieht im Whisky den „großen Bruder vom Bier“, weil ähnliche Rohstoffe verwendet werden – nur ergänzt um die Destillation. Nach seinen Angaben reift der Whisky im Bergwerk besonders schnell, auch wenn noch nicht vollständig geklärt ist, warum genau das so ist.

Genau dieser Frage widmet sich die Forschung. Die Lagerstätte befindet sich im Versuchsbergwerk der TU Freiberg. Dort laufen wissenschaftliche Projekte zur Mikrobiologie unter Tage und zur Aromabildung im Whisky. Die ungewöhnliche Umgebung macht das Projekt deshalb nicht nur für Genießer interessant, sondern auch für Wissenschaftler.

Wirtschaftlich bleibt die Freiberger Produktion bewusst klein. Rund 1.000 Flaschen pro Jahr verkauft die Manufaktur. Statt auf Masse setzt das Unternehmen auf Qualität: Künftig soll der erste Whisky sogar fünf statt bislang drei Jahre unter Tage reifen.