Dresden - Sachsens Kindertagesstätten stehen vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits soll die frühkindliche Bildung mit einem neuen Erziehungs- und Bildungsplan weiterentwickelt werden. Andererseits geraten viele Einrichtungen durch sinkende Kinderzahlen und finanzielle Engpässe zunehmend unter Druck.
Der neue „Erziehungs- und Bildungsplan“ ist eine Weiterentwicklung des Plans aus dem Jahr 2006. Dieser diente bisher als Grundlage für die pädagogische Arbeit in Sachsens Kindertageseinrichtungen. Das Kultusministerium will mit der Überarbeitung die frühkindliche Bildung stärken und klarere Ziele für die pädagogische Arbeit formulieren.
Geplant ist unter anderem eine verpflichtende Untersuchung von Vierjährigen. Zudem soll es einen Plan für gezieltere Förderung geben. Laut Ministerium enthält der neue Bildungsplan Anregungen für die pädagogische Praxis, einen stärkeren Fokus auf die Mitwirkung von Kindern sowie einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien.
Ein weiteres Ziel ist es, Auffälligkeiten bei Vorschulkindern früher zu erkennen und besser darauf zu reagieren. Dazu zählen unter anderem fehlende altersentsprechende Kompetenzen in Deutsch. Verbindliche Erziehungs- und Bildungsziele sowie bessere Übergänge zwischen den Einrichtungen sollen helfen, Kinder gezielter zu begleiten.
Neben diesen pädagogischen Aufgaben stehen Sachsens Kitas jedoch auch vor erheblichen strukturellen und finanziellen Problemen. Grund dafür ist vor allem der starke Rückgang der Kinderzahlen. Nachdem der Freistaat über Jahre hinweg den Ausbau von Betreuungsplätzen vorangetrieben hatte, sorgt nun ein deutlicher Geburtenknick für eine sinkende Nachfrage.
Zum Stichtag im März 2025 wurden in Sachsen rund 312.000 Kinder in Kindertageseinrichtungen betreut. Das waren etwa 7.500 weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Besonders betroffen waren unter anderem die Großstädte Dresden mit rund 1.350 weniger betreuten Kindern und Leipzig mit rund 1.040 weniger Kita-Kindern. Auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Erzgebirgskreis verzeichneten deutliche Rückgänge.
Die Folgen zeigen sich bereits: Im Vergleich zu 2024 sank die Zahl der Kindertageseinrichtungen im Freistaat um 15. Im März 2025 gab es demnach noch 3.050 Einrichtungen in Sachsen. Neben Schließungen können auch eingeschränkte Öffnungszeiten eine Folge sinkender Kinderzahlen und reduzierten Personals sein.
Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und die sächsischen Industrie- und Handelskammern warnten zuletzt vor dem Wegfall weiterer Betreuungsangebote. Besonders im ländlichen Raum könnten Versorgungslücken entstehen, weil die nächste Kita dort häufig mehrere Kilometer entfernt liegt.
Auch für die Beschäftigten hat die Entwicklung Folgen. Laut Statistischem Landesamt gab es im März 2025 rund 830 Erzieherinnen und Erzieher weniger in Sachsen. Hinzu kommen nach Angaben der GEW Wechsel in Teilzeit, zu denen viele Fachkräfte gedrängt würden.
Ein zentrales Problem liegt in der Finanzierung. Der Landesanteil richtet sich nach der Zahl der betreuten Kinder. Diese Pro-Kopf-Pauschale berücksichtigt jedoch Fixkosten nicht ausreichend. Kosten wie Heizung oder Gebäudeunterhalt bleiben auch dann bestehen, wenn weniger Kinder betreut werden. Deshalb fordern zahlreiche Stimmen eine Anpassung des Finanzierungsmodells, bei der feste Kosten stärker berücksichtigt werden.
Aktuell werden Kitas in Sachsen über ein dreigeteiltes Modell finanziert. Der Freistaat zahlt pro Kind und Jahr einen Landeszuschuss. Dieser liegt derzeit bei 3.570 Euro. Zusätzliche Mittel gibt es für pädagogische Tätigkeiten zur Integration sowie für sorbische Kitas.
Eltern beteiligen sich über regional unterschiedliche Beiträge an den Kosten. Die Höhe legen die Gemeinden fest. Für einen Krippenplatz soll der Beitrag höchstens 23 Prozent der Personal- und Sachkosten betragen, für einen Kindergartenplatz höchstens 30 Prozent. In Dresden zahlen Eltern für eine neunstündige Betreuung beispielsweise 268,75 Euro pro Monat in der Krippe und 215,75 Euro im Kindergarten. Für Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern sind Absenkungen vorgesehen.
Die übrigen Kosten tragen die Gemeinden. Bei Einrichtungen in freier Trägerschaft kann zusätzlich ein Eigenanteil des Trägers hinzukommen.
Damit stehen Sachsens Kitas vor einer komplexen Aufgabe: Sie sollen Bildungsqualität verbessern, Kinder gezielter fördern und zugleich mit sinkender Nachfrage, finanziellen Unsicherheiten und Personalveränderungen umgehen. Wie diese Herausforderungen gelöst werden, dürfte in den kommenden Monaten auch für Leipzig und die anderen sächsischen Kommunen von Bedeutung bleiben.