Dresden - Sachsens Krankenhäuser haben bei der Digitalisierung im bundesweiten Vergleich den höchsten durchschnittlichen Reifegrad erreicht. Das geht aus der dritten Erhebung des Konsortiums „DigitalRadar Krankenhaus“ hervor, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt wurde. Über die Ergebnisse informierte die Techniker Krankenkasse (TK).
Mit durchschnittlich 60,3 von 100 möglichen Punkten belegt Sachsen den ersten Platz unter den Bundesländern. Auf Rang zwei folgt Berlin mit 59,4 Punkten. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 55 Punkten.
Der sogenannte digitale Reifegrad soll abbilden, wie weit Krankenhäuser bei der Einführung und Nutzung digitaler Strukturen, Prozesse und Anwendungen vorangekommen sind. Dabei werden sieben unterschiedliche Bereiche betrachtet. Grundlage der Auswertung sind Selbsteinschätzungen der teilnehmenden Krankenhäuser.
Bundesweit hat sich der durchschnittliche „DigitalRadar-Score“ seit der ersten Erhebung deutlich erhöht. Im Jahr 2021 lag der Wert noch bei 33,3 Punkten. In der aktuellen Untersuchung wurden durchschnittlich 55 Punkte erreicht. Das entspricht nach Angaben der Techniker Krankenkasse einem Zuwachs von rund 65 Prozent.
Bei den sächsischen Krankenhäusern fiel die relative Verbesserung mit rund 73 Prozent noch stärker aus. An der dritten Erhebung beteiligten sich bundesweit 1.531 Krankenhäuser. Nach Angaben der TK nahmen sämtliche sächsischen Kliniken teil.
Die Ergebnisse zeigen demnach Fortschritte in allen sieben untersuchten Bereichen. Technische und organisatorische Strukturen seien zunehmend digital ausgerichtet. Auch das Krisen- und Risikomanagement sowie die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Systeme hätten sich verbessert. Klinische Abläufe würden ebenfalls häufiger digital unterstützt.
Trotz der positiven Entwicklung sieht die Techniker Krankenkasse weiteren Handlungsbedarf. Digitale Anwendungen müssten im Behandlungsalltag der Patientinnen und Patienten noch deutlicher wahrnehmbar und nutzbar werden.
Das betrifft beispielsweise Patientenportale, telemedizinische Angebote und digitale Formulare. Auch der Austausch medizinischer Daten zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten soll weiter verbessert werden.
Der sächsische TK-Landeschef Alexander Krauß erklärte, die Digitalisierung der Kliniken mache erfreuliche Fortschritte. Nun müsse sie konsequent bei den Patientinnen und Patienten ankommen und über die Grenzen einzelner Einrichtungen hinauswirken.
Ziel sei ein digital vernetztes Gesundheitswesen. Daten aus dem Krankenhaus sollten demnach strukturiert in der elektronischen Patientenakte hinterlegt werden und anschließend ohne Medienbrüche in der Praxissoftware von Hausärztinnen und Hausärzten nutzbar sein.
Finanziert wird die Digitalisierung der Krankenhäuser unter anderem über den Krankenhauszukunftsfonds. Bundesweit stehen daraus insgesamt 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Weitere 1,3 Milliarden Euro werden von den Bundesländern bereitgestellt.
Für digitale Projekte in sächsischen Kliniken sind nach Angaben der Techniker Krankenkasse 212 Millionen Euro vorgesehen. Mit den Mitteln sollen unter anderem digitale Infrastrukturen, Prozesse und Anwendungen in den Krankenhäusern ausgebaut werden.
Der Spitzenplatz im Ländervergleich zeigt, dass Sachsen beim Aufbau digitaler Strukturen Fortschritte erzielt hat. Zugleich verdeutlicht die Untersuchung, dass technische Verbesserungen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, dass digitale Angebote stärker in die konkrete Behandlung und in die Kommunikation zwischen Kliniken, Arztpraxen und Patienten eingebunden werden.