Mo., 03.08.2026 , 13:02 Uhr

2025 wurden Steuerhinterziehungen von rund 71,5 Millionen Euro aufgedeckt

Sachsens Steuerfahnder decken Millionenbetrug auf

Sachsens Steuerfahndung erzielte 2025 ein Mehrergebnis von rund 71,5 Millionen Euro. Ein großer Teil geht auf internationale Ermittlungen zurück.

Dresden – Sachsens Steuerfahnder haben im Jahr 2025 Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe aufgedeckt. Das sogenannte steuerliche Mehrergebnis belief sich nach Angaben des sächsischen Finanzministeriums auf insgesamt rund 71,5 Millionen Euro.

Den größten Anteil machten nicht gezahlte Umsatzsteuern aus. Darauf entfielen rund 53,3 Millionen Euro. Hinzu kamen knapp zehn Millionen Euro bei der Einkommensteuer und rund 3,1 Millionen Euro bei der Gewerbesteuer.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurden insgesamt 383 Strafverfahren und sieben Bußgeldverfahren eingeleitet. Nach Angaben des Ministeriums wurden außerdem Haftstrafen von zusammengerechnet 70 Jahren verhängt.

Unterschiedliche Statistiken zur Steuerhinterziehung

Bereits Ende Mai hatte das Finanzministerium Zahlen zu rechtskräftig abgeurteilten Fällen von Steuerhinterziehung veröffentlicht. Die dabei erfasste Summe lag für das Jahr 2025 bei 61,4 Millionen Euro. Im Jahr 2024 waren es 176 Millionen Euro.

Diese Zahlen sind nicht mit dem nun veröffentlichten steuerlichen Mehrergebnis gleichzusetzen. Nicht jeder von der Steuerfahndung festgestellte Sachverhalt führt zu einem Strafverfahren oder einer rechtskräftigen Verurteilung.

Die Linke im Sächsischen Landtag hatte angesichts der Zahlen einen weiteren Ausbau der Steuerfahndung gefordert. Nach Ansicht der Partei könnten dadurch mehr Fälle aufgedeckt und zusätzliche hinterzogene Steuern eingetrieben werden.

Piwarz betont Bedeutung für den Rechtsstaat

Sachsens Finanzminister Christian Piwarz sieht in der Arbeit der Steuerfahndung nicht nur einen finanziellen Nutzen für den Staat. Eine wirksame Verfolgung von Steuerbetrug sei nach Auffassung des CDU-Politikers auch für das Vertrauen in den Rechtsstaat und für eine funktionierende Demokratie von Bedeutung.

Werden Steuerschlupflöcher und Steuerbetrug toleriert, leide nicht nur die Steuergerechtigkeit, sondern auch das Vertrauen in staatliche Institutionen, erklärte Piwarz. Steuerhinterziehung schwäche zudem das Gemeinwesen und die gesellschaftliche Solidarität.

Zusammenarbeit bei internationalen Ermittlungen

Eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen spielt nach Angaben des Finanzministeriums die Europäische Staatsanwaltschaft. Mehr als die Hälfte des 2025 festgestellten Steuerschadens soll auf gemeinsame Ermittlungen zurückgehen.

Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem sogenannte Umsatzsteuerkarusselle. Bei dieser Form organisierter Steuerhinterziehung werden Regelungen zur grenzüberschreitenden Umsatzsteuerbefreiung innerhalb der Europäischen Union ausgenutzt.

Nach Darstellung des Finanzministeriums lassen sich Beteiligte dabei Vorsteuer vom Finanzamt erstatten, obwohl die entsprechende Umsatzsteuer zuvor nicht an den Staat abgeführt wurde.

Ermittlungen zum Handel mit AirPods

Die sächsischen Fahnder deckten unter anderem ein mutmaßliches Umsatzsteuerkarussell beim Handel mit Apple AirPods auf. Ein weiterer Fall betrifft den Verdacht der bandenmäßigen Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit Telekommunikationsleistungen.

Die Ermittlungen sind in beiden Fällen noch nicht abgeschlossen. Weitere Einzelheiten zu den Beschuldigten oder zur jeweiligen Schadenshöhe wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt.

Verfahren „Nimmersatt“ betrifft Autohandel

Ein weiterer Ermittlungskomplex trägt den Codenamen „Nimmersatt“. Dabei geht es um den internationalen Handel mit Unfallfahrzeugen, die aus den USA importiert wurden.

Nach Angaben des Finanzministeriums wurden die beschädigten Fahrzeuge im Baltikum lediglich oberflächlich repariert und anschließend in verschiedenen europäischen Ländern an Endkunden verkauft. In diesem Zusammenhang sollen Zölle hinterzogen und Umsatzsteuern in Millionenhöhe nicht an den Fiskus abgeführt worden sein.

Auch dieses Ermittlungsverfahren dauert weiterhin an. Die Vorwürfe sind damit noch nicht abschließend geklärt.

Zahl der Steuerfahnder auf 130 erhöht

Sachsen erhöhte die Zahl der Beschäftigten in der Steuerfahndung im vergangenen Jahr um 15 auf insgesamt 130 Vollzeitstellen. Nach Einschätzung des Finanzministeriums nehmen die Herausforderungen und die Komplexität der Ermittlungen jedoch weiter zu.

Das Ministerium kündigte deshalb zusätzliche organisatorische Schritte innerhalb der sächsischen Steuerfahndung an. Konkrete Einzelheiten zu den geplanten Veränderungen wurden zunächst nicht genannt.