Meißen - Die Winzer in Sachsen und Sachsen-Anhalts blicken optimistisch auf das Weinjahr 2026. Das warme und sonnige Wetter der vergangenen Monate habe sich positiv auf die Entwicklung der Trauben ausgewirkt. Hartmut Schreiter, Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut, erwartet sogar eine „absolute Spitzenqualität“. Wärme komme grundsätzlich allen Rebsorten zugute.
Auch die bislang trockene Witterung hat Vorteile. Durch die langanhaltende Trockenheit sei der Krankheits- und Pilzbefall in den Anlagen gering, erklärte Schreiter. Felix Hößelbarth, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen und Geschäftsführer des Bio-Weinguts Hoflößnitz, sieht ebenfalls gute Bedingungen für die Trauben. Trockenes Wetter erleichtere die Ernte und verhindere, dass sich durch anhaltende Feuchtigkeit Fäulnis bildet.
Bis Juni habe es in Sachsen zudem im Vergleich zu den zurückliegenden zehn Jahren ausreichend und gut verteilte Niederschläge gegeben. Die Voraussetzungen für die diesjährige Ernte seien deshalb grundsätzlich gut. Die Trauben seien relativ frühreif und versprächen eine gute aromatische und geschmackliche Reife.
Bei der Erntemenge rechnen die Winzer mit einem soliden Jahr. Für Sachsen geht Hößelbarth von rund 2,6 Millionen Litern Wein aus. Das wären etwa zehn Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Damals wurde mit fast 2,95 Millionen Litern eine Rekordernte eingefahren.
Auch an Saale, Unstrut und Salza liegen die Erwartungen im üblichen Bereich. Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut prognostiziert derzeit eine Erntemenge von etwa 2 bis 2,3 Millionen Litern. Der langjährige Durchschnitt liegt dort bei rund 2,1 Millionen Litern. Im vergangenen Jahr waren es 2,8 Millionen Liter.
Die anhaltende Trockenheit im Juli und August bringt allerdings auch Nachteile. Nach Angaben Hößelbarths sind die Weinbeeren teilweise kleiner als in Jahren mit besserer Wasserversorgung. Das müsse jedoch nicht automatisch zu einer geringeren Erntemenge führen.
Zunehmend besteht jedoch die Gefahr von Trockenstress für die Reben. In einzelnen Lagen kann deshalb eine Bewässerung notwendig werden. Sollte die Qualität der Trauben leiden oder der Rebstock Schaden nehmen, könnte die Ernte früher beginnen als bislang geplant.
In Sachsen startet die Lese bereits früh. Schloss Wackerbarth macht am Donnerstag den Anfang. Allgemein rechnet Hößelbarth mit dem Beginn der Weinlese in der letzten Augustwoche. Im Anbaugebiet Saale-Unstrut ist der Start bislang für Mitte September vorgesehen.
Nach Angaben Hößelbarths hat sich der Zeitpunkt der Weinlese in den vergangenen 15 Jahren um etwa ein bis zwei Wochen nach vorn verschoben. Der Beginn liege inzwischen fast jedes Jahr in der zweiten Augusthälfte. Auch die Riesling-Ernte endet mittlerweile früher. Während früher teilweise bis Ende Oktober oder Anfang November gelesen wurde, ist inzwischen meist bereits in der ersten Oktoberhälfte Schluss.
Auf die veränderten Bedingungen reagieren einige Winzer auch mit neuen Rebsorten. Schreiter spricht von „Zukunftssorten“, die unter anderem widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten sind. In seinem eigenen Weingut in Höhnstedt baut er beispielsweise die aus der Schweiz stammende Rotweinsorte Cabaret Noir an.