Dresden/Chemnitz/Leipzig - Die sächsische Wirtschaft kommt weiterhin nicht richtig in Schwung. Zwar hat sich die Stimmung in den Unternehmen im Herbst 2026 gegenüber dem Frühjahr leicht verbessert, von einem nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung ist der Freistaat jedoch weit entfernt. Hohe Energie- und Arbeitskosten, eine schwache Nachfrage und zurückhaltende Investitionen belasten die Betriebe. Zudem könnte die Zahl der Beschäftigten in den kommenden Monaten weiter sinken.
Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) hervor, die am 20. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Zwischen dem 31. August und dem 28. September beteiligten sich insgesamt 1.582 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten aus den Bereichen Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe an der Befragung.
Nach einem deutlichen Rückschlag im Frühjahr zeigt sich die wirtschaftliche Lage in Sachsen etwas stabiler. Der IHK-Geschäftsklimaindex stieg gegenüber der Frühjahrsbefragung um sechs Punkte auf aktuell 99 Punkte. Damit erreicht der Index allerdings lediglich wieder das Niveau vom Jahresbeginn 2026.
Auch die Bewertung der aktuellen Geschäftslage fällt etwas positiver aus. Der sogenannte Lagesaldo erhöhte sich von sechs auf zwölf Punkte. Besonders im Baugewerbe sowie im Gast- und Tourismusgewerbe berichten Unternehmen von Verbesserungen, die nach Einschätzung der IHK überwiegend saisonale Ursachen haben.
Auch das Verkehrsgewerbe konnte sich nach dem deutlichen Einbruch im Frühjahr wieder etwas erholen. Insgesamt bleibt die wirtschaftliche Lage jedoch auf einem niedrigen Niveau.
Trotz der leichten Verbesserung rechnen viele Unternehmen nicht mit einer nachhaltigen Erholung. Der Saldo der Geschäftserwartungen stieg zwar um fünf Punkte, liegt mit minus 13 Punkten aber weiterhin deutlich im negativen Bereich.
Das bedeutet, dass nach wie vor mehr Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage erwarten als eine Verbesserung.
Besonders pessimistisch zeigen sich Betriebe aus dem Handel, dem Verkehrs- und Tourismusgewerbe sowie dem Baugewerbe. In diesen Branchen liegen die Erwartungssalden jeweils unter minus 20 Punkten.
Als wesentliche Belastungen nennen die Industrie- und Handelskammern die hohen Standort- und Arbeitskosten, eine schwache Konsumnachfrage sowie bürokratische Anforderungen.
Auch die gesamtwirtschaftlichen Zahlen verdeutlichen die schwierige Situation. Nach Angaben der IHK sank das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt Sachsens im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent.
Die angespannte wirtschaftliche Lage wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus. Laut der aktuellen Umfrage planen lediglich 16 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Investitionsausgaben zu erhöhen. Dagegen wollen 27 Prozent ihre Budgets reduzieren.
Der Investitionssaldo liegt damit bei minus elf Punkten.
Insbesondere bei langfristigen Investitionen in Unternehmensstandorte bleiben die Betriebe vorsichtig. Statt neue Kapazitäten aufzubauen, konzentrieren sich viele Unternehmen auf notwendige Ersatzbeschaffungen.
Nach Einschätzung der IHK deutet diese Entwicklung darauf hin, dass die Betriebe ihre Wachstumsmöglichkeiten weiterhin zurückhaltend beurteilen. Eine spürbare Belebung der Investitionstätigkeit ist damit nicht erkennbar.
Auch auf dem Arbeitsmarkt könnte die schwache Konjunktur weitere Folgen haben. Die Personalplanungen der Unternehmen fallen überwiegend negativ aus.
Nur elf Prozent der befragten Betriebe planen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Dagegen rechnen 23 Prozent mit sinkenden Beschäftigtenzahlen. Der entsprechende Saldo liegt bei minus zwölf Punkten.
Damit deutet die Umfrage auf einen möglichen weiteren Beschäftigungsabbau in Sachsen hin.
Viele Unternehmen reagieren auf die unsichere wirtschaftliche Entwicklung mit Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Geplante Personalaufstockungen werden verschoben oder zunächst nicht umgesetzt.
Die Ergebnisse sind allerdings eine Einschätzung der befragten Unternehmen und keine bereits eingetretene Entwicklung auf dem sächsischen Arbeitsmarkt.
Besonders deutlich zeigen sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beim Blick auf die von den Unternehmen genannten Geschäftsrisiken.
Mit 68 Prozent der Nennungen stehen die Arbeitskosten erneut an erster Stelle. Fast ebenso viele Unternehmen, nämlich 65 Prozent, betrachten die Energiepreise als erhebliches Risiko.
Auch die Kraftstoffpreise belasten zahlreiche Betriebe. 61 Prozent der Befragten nennen sie als wirtschaftlichen Risikofaktor.
Hinzu kommen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die schwache Inlandsnachfrage. Beide Faktoren werden von jeweils mehr als der Hälfte der Unternehmen als Risiko bewertet.
Der Fachkräftemangel hat dagegen an Bedeutung verloren. Während die Suche nach geeignetem Personal lange zu den zentralen Herausforderungen der Wirtschaft gehörte, wird dieses Problem inzwischen nur noch von gut einem Drittel der befragten Betriebe als wesentliches Geschäftsrisiko eingestuft.
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen innerhalb Deutschlands bleiben auch internationale Entwicklungen ein Unsicherheitsfaktor.
Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammern haben sich die Preisspitzen und Lieferkettenprobleme, die im Frühjahr durch die Eskalation im Nahen Osten ausgelöst wurden, teilweise abgeschwächt.
Dennoch bleiben die Energiepreise hoch und die Risiken für internationale Lieferketten bestehen. Eine erneute Verschärfung des Konflikts könnte Energie- und Rohstoffpreise weiter steigen lassen und internationale Transportwege zusätzlich beeinträchtigen.
Dies könnte wiederum die Inflation verstärken und sowohl die Nachfrage als auch Investitionen weiter belasten.
Die Ergebnisse der Herbstumfrage zeigen, dass sich die wirtschaftliche Stimmung in Sachsen zwar etwas aufgehellt hat, die grundlegenden Probleme jedoch bestehen bleiben.
Auch für Unternehmen im Wirtschaftsraum Leipzig sind die landesweit erhobenen Ergebnisse von Bedeutung. Eine gesonderte Auswertung für die Region Leipzig enthält die vorliegende Mitteilung allerdings nicht.
Nach Einschätzung der sächsischen Industrie- und Handelskammern reichen die bisherigen Verbesserungen nicht aus, um von einem tragfähigen wirtschaftlichen Aufschwung zu sprechen. Auch die finanzpolitischen Impulse des Bundes hätten bislang keine nennenswerten Wachstumswirkungen in Sachsen entfaltet.
Für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung halten die Kammern verlässlichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine dauerhafte Entlastung der Unternehmen bei den Standortkosten für erforderlich.
Ob die leichte Stabilisierung im Herbst tatsächlich zu einer wirtschaftlichen Trendwende führt, bleibt damit offen. Die niedrige Investitionsbereitschaft und die negativen Beschäftigungserwartungen sprechen zunächst für weiterhin schwierige Monate.