Di., 12.05.2026 , 11:37 Uhr

IHK-Umfrage zeigt eingetrübte Lage und wachsenden Kostendruck

Sächsische Wirtschaft erleidet Rückschlag

Die sächsische Wirtschaft bleibt im Krisenmodus. Laut IHK-Umfrage belasten Energiepreise, Kraftstoffkosten und schwache Nachfrage die Unternehmen.

Dresden/Chemnitz/Leipzig - Die sächsische Wirtschaft kommt im Frühjahr 2026 nicht aus ihrer anhaltenden Schwächephase heraus. Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern hat sich die wirtschaftliche Lage gegenüber dem Jahresbeginn wieder spürbar verschlechtert.

An der Umfrage beteiligten sich 1.697 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe. Insgesamt repräsentieren sie mehr als 82.000 Beschäftigte in Sachsen.

Als zentrale Ursache für die erneute Eintrübung nennen die IHKs die jüngsten geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten. Diese hätten zu einem starken Anstieg der Energie- und Kraftstoffpreise geführt. Die Folgen gestörter Lieferketten für Erdöl und Erdgas belasteten demnach die globale Energieversorgung und verschlechterten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter.

Viele Unternehmen sehen sich laut Umfrage gleichzeitig mit steigenden Kraftstoffpreisen, hohen Arbeitskosten, verhaltener Nachfrage und anhaltender Unsicherheit konfrontiert. Die Liquiditätslage bleibt vielfach angespannt. Kostenkontrolle bestimmt in vielen Betrieben die Entscheidungen, geplante Investitionen werden erneut zurückgestellt.

Der IHK-Geschäftsklimaindex sank gegenüber dem Jahresbeginn 2026 um sechs Punkte auf 93 Punkte. Damit liegt er auf dem niedrigsten Stand seit Herbst 2022. Auch die aktuelle Geschäftslage hat sich verschlechtert: Der Lagesaldo ging von 11 auf 6 Punkte zurück.

Besonders deutlich fielen die schlechteren Lagebeurteilungen im Verkehrsgewerbe, im Handel sowie im Gast- und Tourismusgewerbe aus. Vor allem die stark gestiegenen Kraftstoffpreise führten dort zu massiven Kostensteigerungen und in vielen Unternehmen zu Liquiditätsproblemen. Im Tourismusgewerbe kommen Einschränkungen im Reise- und Flugverkehr sowie Buchungseinbrüche bei Nahostreisen hinzu.

Auch der Blick in die kommenden Monate bleibt pessimistisch. Der Erwartungssaldo sank um sechs Punkte auf minus 18 Punkte. Damit rechnen deutlich mehr Unternehmen mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung ihrer geschäftlichen Situation. Während sich die Erwartungen in Industrie und Baugewerbe zumindest nicht weiter verschlechterten, nahm der Pessimismus in anderen Wirtschaftsbereichen wieder zu.

Die IHKs sehen die sächsische Wirtschaft weiterhin im Krisenmodus. Ohne spürbare Entlastungen und grundlegende Reformen bei Lohnnebenkosten, Steuern, Abgaben und Staatsmodernisierung drohe sich die strukturelle Wachstumsschwäche weiter zu verfestigen.

Auch die Investitionstätigkeit bleibt schwach. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Investitionsausgaben liegt weiter bei 17 Prozent. 29 Prozent planen dagegen mit sinkenden Budgets. Der Investitionssaldo sank auf minus 12 Punkte. Ersatzbeschaffungen bleiben das wichtigste Investitionsmotiv, gefolgt von Rationalisierungsmaßnahmen und Innovationen. Kapazitätserweiterungen sind nur noch in jedem fünften Unternehmen vorgesehen.

Zurückhaltend fallen auch die Beschäftigungspläne aus. Nur 11 Prozent der Unternehmen planen einen Personalaufbau, 22 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Der Beschäftigungssaldo liegt damit bei minus 11 Punkten. Laut Umfrage reagieren die Unternehmen auf schwache Konjunktur und gestiegene Kosten mit einer restriktiveren Personalpolitik.

Bei den Risiken stehen die Energiepreise mit 68 Prozent wieder an erster Stelle. Es folgen die Arbeitskosten mit 67 Prozent. Besonders stark gestiegen ist die Bedeutung der Kraftstoffpreise: Ihr Anteil erhöhte sich von 33 auf 64 Prozent und liegt damit auf Rang drei. Mehr als die Hälfte der Betriebe nennt zudem Inlandsnachfrage, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Rohstoffpreise als zentrale Risiken. Der Fachkräftemangel wird aktuell von 35 Prozent der Unternehmen als Risikofaktor genannt und verliert damit weiter an Bedeutung.