Dresden – Der sächsische Dialekt erlebt derzeit eine spürbare Aufwertung. Lange galt er als Anlass für Spott und Klischees, doch nun wächst das Selbstbewusstsein der Sachsen. Eine neue Filmreihe der Imagekampagne „So geht sächsisch“ beleuchtet die Geschichte und Entwicklung der Mundart. Unter dem Titel „Geschichte des Sächsischen“ führt Historiker André Thieme, Geschäftsführer der Festung Königstein, durch drei Episoden, die sprachwissenschaftliche und historische Einblicke bieten.
Sächsisch ist ein vergleichsweise junger Dialekt, der sich ab dem 12. Jahrhundert in der Mark Meißen entwickelt hat. Die Mischung verschiedener Siedlerdialekte prägte seine Vielfalt. Ein wichtiges Kapitel ist das sogenannte „Meißner Kanzleideutsch“, das unter den Wettinern entstand und später durch Martin Luthers Bibelübersetzung das Hochdeutsche beeinflusste.
Die Filmreihe zeigt aber auch, wie das Sächsische ab dem 18. Jahrhundert zunehmend zur Zielscheibe des Spottes wurde. Mit dem Aufstieg Preußens verlor Sachsen sprachlich an Bedeutung, und Berliner Hochdeutsch setzte sich durch. Im 19. Jahrhundert galt Sächsisch schließlich als Symbol des Spießbürgertums – ein Image, das bis in die DDR-Zeit fortwirkte.
Doch aktuelle Entwicklungen deuten auf einen Wandel hin. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache aus dem Jahr 2023 empfinden immer weniger Deutsche den Dialekt als unsympathisch. Besonders junge Menschen sprechen wieder häufiger sächsisch – auch dank sogenannter „Dialektfluencer“, die den Sprachklang auf Social Media humorvoll präsentieren.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) betont den neuen Stolz auf die sprachliche Vielfalt: „Unser Dialekt ist ein Stück sächsischer Identität – er steht für Heimat, Stolz und Vertrautheit.“ Der erste Teil der Filmreihe läuft bereits auf den Social-Media-Kanälen von „So geht sächsisch“, der Festung Königstein und bei Sachsen Fernsehen. Die weiteren Teile folgen am 10. und 14. November auf YouTube, Facebook und der offiziellen Website.