Vom Rohbau zum Kulturjuwel
Die Schlosskapelle im Dresdner Residenzschloss hat eine beeindruckende Verwandlung hinter sich. Was 1988 als schlichter Rohbau begann, ist heute ein kunsthistorisches Meisterwerk von einzigartiger Schönheit. Nach Jahrzehnten des Wiederaufbaus wurde sie nun feierlich eröffnet.
Bei der Schlüsselübergabe betonten Sachsens Finanzminister Christian Piwarz, Kulturministerin Barbara Klepsch und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Wolfram Weimer, die kulturhistorische Bedeutung des Projekts. Sie würdigten das Bauwerk als Symbol für Handwerkskunst, Ausdauer und kulturelle Identität.
Rekonstruktion in drei Etappen
Der Wiederaufbau der Kapelle erfolgte in mehreren Phasen. Zwischen 2010 und 2013 entstand das aufwendig rekonstruierte Schlingrippengewölbe – ein technisches und handwerkliches Meisterstück, das weltweit seinesgleichen sucht. Erstmals gelang es Fachleuten, ein spätgotisches Gewölbe nach originaler Technik mit handgeformten Ziegeln und doppelt gekrümmten Sandsteinrippen neu zu errichten.
Die zweite Bauphase begann 2023 und umfasste die Rekonstruktion der Emporen, die Sandsteinarchitektur sowie moderne Licht- und Tontechnik. Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurde die Kapelle nun als multifunktionaler Veranstaltungsraum mit Platz für 270 Gäste fertiggestellt.
Ein Ort für Musik und Begegnung
Dr. Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sieht in der Schlosskapelle künftig einen besonderen Ort kultureller Begegnung. Hier sollen Konzerte, Diskurse und Veranstaltungen stattfinden – in einer Atmosphäre, die Geschichte und Gegenwart vereint.
Auch die historischen Bezüge bleiben lebendig: Schon im 16. Jahrhundert diente die Kapelle als Musikstätte von Heinrich Schütz, einem der bedeutendsten Komponisten des Barock. Damit knüpft der Raum an seine ursprüngliche Bestimmung an.
Tag der offenen Schlosskapelle und Führungen
Am 15. November lädt der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement zum Tag der offenen Schlosskapelle ein. Besucher können zwischen 10:00 und 16:30 Uhr die Räumlichkeiten erkunden und mit Fachleuten über Bau, Architektur und Musik ins Gespräch kommen. Der Eintritt ist frei, der Zugang erfolgt über den Hausmannsturm.
Ab dem 19. November sind zudem regelmäßige Führungen geplant – mittwochs bis freitags um 15:00 Uhr sowie am Wochenende um 11:30 und 15:00 Uhr. Tickets können online unter shop.skd.museum gebucht werden.
Investition in Sachsens Kulturerbe
Rund 12 Millionen Euro kostete die Wiederherstellung der Schlosskapelle, davon stammen 3,75 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Bis 2027 werden Freistaat und Bund insgesamt etwa 407 Millionen Euro in die Fertigstellung des gesamten Residenzschlosses investieren – ein klares Bekenntnis zur Bewahrung des kulturellen Erbes Sachsens.