Die SNG GmbH, an der Casinos Austria International beteiligt war, verliert die Konzession an allen zehn Spielbanken in Niedersachsen, darunter klassische Casinos in Hannover, Braunschweig, Bad Zwischenahn und Osnabrück, nach einem Rechtsstreit. Neuer Betreiber ist seit dem Sommer letzten Jahres nun die Merkur Group, die die zehn Spielbanken in Niedersachsen von der bisherigen Betreibergesellschaft übernimmt. Die Standorte werden künftig als Merkur Spielbanken betrieben. Als im Sommer 2025 die Betreiberfrage der niedersächsischen Spielbanken endgültig geklärt war, blieb trotz Turbulenzen eines auffällig, die Lichter gingen in den 10 Häusern tatsächlich nie wirklich aus. Kein abruptes Ende, keine geschlossenen Türen, stattdessen ein fließender Übergang. So kann es eben auch gehen.
Für den Einstieg in Niedersachsen hatte sich Merkur bereits 2023 die Konzession für den Betrieb der Spielbanken gesichert, ein Verfahren, welches anschließend von juristischen Auseinandersetzungen begleitet wurde. Erst 2025 konnte der Streit beigelegt werden und die Übernahme konnte vollzogen werden. Mit dem Abschluss dieses Prozesses gingen alle zehn Standorte in das Portfolio der Merkur-Gruppe über. Für das Unternehmen bedeutete das nicht nur eine Erweiterung, sondern einen strategischen Schritt: Die Position als einer der größten Spielbankenbetreiber in Deutschland wurde damit unterstrichen.
Die Wurzeln der Merkur Group reichen ins Jahr 1957 zurück, als Firmengründer Paul Gauselmann mit Musikautomaten sein Geschäft begann. Was klein begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem internationalen Glücksspielkonzern. Heute beschäftigte das Unternehmen nach eigenen Angaben zuletzt 2024 rund 14.500 Menschen und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von rund 2,77 Milliarden Euro. Dabei ist Merkur längst nicht mehr nur im klassischen Automatengeschäft aktiv. Zum Portfolio des Unternehmens gehören einige Spielbanken, wie auch die ehemaligen Spielbanken des NRW, dazu kommen diverse Online-Angebote und internationale Beteiligungen.
Der Schritt nach Niedersachsen passt daher gut ins Portfolio und passt auch genauso gut zur Firmenphilosophie des Gründers, Paul Gauselmann. Trotz der Größenordnung, die hier bewegt wurden, verlief der Übergang überraschend ruhig. Der Spielbetrieb wurde ohne Unterbrechungen fortgeführt, wohl auch ein bewusst an das gesamte Mitarbeiter Kollegium gesetztes Signal des neuen Betreibers. Auch für die Beschäftigten änderte sich zunächst sehr wenig. Rund 430 Arbeitsplätze wurden übernommen und gesichert und in die neue Struktur mit übernommen. Parallel dazu erfolgte im Herbst 2025 die Umfirmierung zur MERKUR SPIELBANKEN Niedersachsen GmbH, womit es nun auch nach außen sichtbar wurde, dass hier ein Betreiberwechsel stattfand.
Während sich für Gäste zunächst wenig verändert hat, begann man erst einmal, sozusagen hinter den Kulissen, mit einer umfassenden Modernisierung. Ein zentraler Baustein war augenscheinlich eine technologische Erneuerung der Standorte. Dazu gehörten neue Managementsysteme und digitale Lösungen, die die Abläufe in den Häusern etwas zeitgemäßer und effizienter gestalten sollten. Inzwischen wurde teilweise schon ein sogenanntes Cashless-Gaming-System eingeführt, was auch ein Schritt hin zu stärker digitalisierten Prozessen ist. Ziel dieser Maßnahmen wird bestimmt sein, die 10 Spielbanken langfristig stabil und wettbewerbsfähig aufzustellen. Die möglicher Weise dahinter steckende Strategie könnte sein: „Traditionen zu erhalten, diese jedoch auch technologisch zeitgemäß auszustatten“. Spielbanken gelten traditionell schon immer als Lokationen mit festen Ritualen, vom Roulettetisch bis hin zum klassischen Dresscode.
Gleichzeitig verändert sich jedoch auch das Umfeld. Digitale Angebote gewinnen in unserer digitalen Welt natürlich immer mehr an Bedeutung, Prozesse werden automatisiert, und Gäste erwarten zunehmend noch flexiblere Nutzungsmöglichkeiten. Merkur setzt hier scheinbar auf eine Verbindung beider Welten. Die bestehenden Spielangebote blieben erhalten, wurden und werden auch weiterhin durch technische Lösungen ergänzt. So vereinfachten sich bestimmt viele Abläufe und das Ergebnis wäre ebenso kein radikaler Umbau, sondern eine schrittweise und partielle Anpassung aller klassischen Angebote an moderne Bedürfnisse, einer modernen Kundschaft. Merkur ist natürlich nicht nur im stationären Glücksspiel aktiv, sondern hat sein Geschäft längst schon um den Online-Bereich erweitert, unter anderem mit eigenen, in Deutschland lizenzierten Angeboten für virtuelle Automatenspiele, doch die Group ist auch Entwickler digitaler Casino-Inhalte für externe Plattformen, anderer Anbieter, die ebenfalls Spielautomaten online betreiben.
Wie bei vielen größeren Umstellungen verläuft auch solch ein Prozess nicht ohne Reibungen. Anfang 2026 kam es im Zuge von Tarifverhandlungen zu Warnstreiks an mehreren Standorten. Die Gewerkschaft forderte unter anderem eine Gehaltserhöhung sowie zusätzliche Leistungen. Merkur betonte in diesem Zusammenhang, dass in Mitarbeitende investiert werden würde, etwa durch Weiterbildungsangebote und langfristige Entwicklungsperspektiven innerhalb der Gruppe. Insgesamt handelt es sich damit wohl um eine Phase der Neujustierung, wie sie bei größeren Strukturveränderungen nicht untypisch sind. Mit zehn Standorten zählt Niedersachsen zu den größten zusammenhängenden Spielbanken Märkte in Deutschland und bietet auch auf Grund der langfristigen Konzession über 15 Jahre, für das Unternehmen eine gute Planungssicherheit und ist damit bestimmt auch ein entscheidender Faktor für weitere Investitionen in Niedersachsen. Damit hat die Group in Niedersachsen mehr als nur irgend einen weiteren Standort geschaffen, denn es soll wohl einen ganz zentralen Teil der zukünftigen Ausrichtung einnehmen.
Viele der geplanten Maßnahmen befinden sich noch in der Umsetzung, andere wurden erst kürzlich gestartet. Doch die klassischen Spielbanken bleiben alle weiter bestehen. Sie werden zukünftig viel digitaler und vielleicht sogar noch etwas effizienter werden. Gleichzeitig werden die Spielbanken alle ihre Rolle als physische Orte des Spiels und der Unterhaltung behalten.