Dresden - Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentieren im Residenzschloss ab sofort drei seltene Kunstobjekte aus dem kaiserlichen China. Zu sehen sind eine rund 900 Jahre alte Ru-Schale, eine Drachenvase aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Schnupftabakfläschchen. Die Präsentation steht unter dem Titel „Im Fokus: Drei seltene Schätze des Kaiserlichen Chinas“ und ist zunächst bis Ende Juni im Neuen Grünen Gewölbe zu sehen.
Nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden handelt es sich dabei um eine außergewöhnliche Zusammenstellung. Generaldirektor Bernd Ebert sprach bei der Vorstellung von einem „kaiserlichen Gipfeltreffen“. Die Objekte werden hinter Sicherheitsglas präsentiert. Hintergrund sind Hinweise auf einen geplanten Diebstahl aus der Porzellansammlung im Zwinger. Ende Januar hatten die SKD über einen Hackerangriff informiert. Später wurde bekannt, dass mutmaßlich eine wertvolle Schale und eine Vase aus China im Visier von Dieben standen. Wie Ebert erklärte, ermittelt weiterhin eine Sonderkommission der Polizei europaweit.
Trotz solcher Gefährdungslagen wollen die SKD ihre Sammlungen weiterhin öffentlich zugänglich machen. Man sei kein Archiv, das Objekte dauerhaft im Dunkeln verwahre, sondern wolle sie zeigen, erklärte Ebert. Zugleich verwies er auf enge Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden und spezialisierten Firmen, um die Werke bestmöglich zu schützen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die sogenannte Ru-Schale. Keramik aus der Ru-Präfektur in der nordchinesischen Provinz Henan wurde einst ausschließlich für den kaiserlichen Hof hergestellt. Weltweit sind davon nach Angaben der SKD nur noch 89 Objekte erhalten. Die Dresdner Porzellansammlung besitzt damit das einzige Exemplar dieser Art in Deutschland. Das kleine Gefäß aus glasiertem Steinzeug diente ursprünglich als Waschschale für Pinsel.
Die Dresdner Ru-Schale wurde in den 1920er Jahren für die Sammlung erworben. Lange Zeit galt sie als koreanisches Objekt. Erst Forschungen der vergangenen Jahre konnten ihre Herkunft aus den Ru-Werkstätten zweifelsfrei nachweisen. Die SKD sehen darin auch einen Beleg dafür, wie wichtig die weitere wissenschaftliche Erforschung der eigenen Bestände ist.
Neben der Ru-Schale ist auch eine sogenannte Drachenvase ausgestellt. Sie wurde für den Hof des Kaisers Qianlong gefertigt, der von 1735 bis 1795 regierte. Die Vase ist mit neun Drachen bemalt, die über Meer und Himmel aufsteigen. Nach Angaben der SKD gilt sie als seltenes Meisterwerk der kaiserlichen Porzellankunst der Qing-Dynastie. In der chinesischen Kultur steht die Zahl Neun demnach für Ewigkeit, der Drache wiederum als Symbol kaiserlicher Macht.
Ergänzt wird die Präsentation durch ein Schnupftabakfläschchen. Dieses war lange Zeit als europäische Arbeit im chinoisen Stil eingeordnet worden. Erst 2013 wurde es als seltenes und frühes Beispiel chinesischer Emailkunst der Qing-Dynastie erkannt. Seine Herkunft konnte laut SKD auf die kaiserlichen Palastwerkstätten in Peking zurückgeführt werden.
Die Ausstellung wird von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als kleine Sensation bezeichnet. Auch der Kunstmarkt zeigt, welche Bedeutung derartigen Objekten zugemessen wird. So wurde eine fast identische Ru-Schale 2017 bei einer Auktion in Hongkong für umgerechnet 31 Millionen Euro versteigert.
Nach der Präsentation im Neuen Grünen Gewölbe sollen die Objekte später wieder in der Porzellansammlung gezeigt werden. Mit der aktuellen Schau rücken die SKD nicht nur seltene Kunstwerke von Weltrang in den Fokus, sondern auch Fragen nach ihrer Herkunft, Erforschung und Sicherheit.