Fr., 30.01.2026 , 10:22 Uhr

Was Likes mit unserem Selbstbild machen

Social Media und der digitale Druck auf unser Selbstwertgefühl

Ein Selfie hochgeladen, wenige Minuten gewartet und schon trudeln die ersten Likes ein. Was als digitale Bestätigung beginnt, entwickelt sich für viele zu einem Maßstab für den eigenen Wert. Instagram, TikTok & Co. bestimmen längst, was als schön gilt. Doch wie stark wirken Likes wirklich auf unser eigenes Selbstbild?

Likes als Währung für den Selbstwert?

Soziale Netzwerke funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Je mehr Likes, desto erfolgreicher der Beitrag. Diese Mechanik hat einen messbaren Einfluss auf das Nutzerverhalten. Posts mit perfekten Körpern, makelloser Haut oder idealisierten Lebensstilen erhalten deutlich mehr Aufmerksamkeit und werden dadurch häufiger ausgespielt. Die Konsequenz: Ein endloser Feed voller inszenierter Perfektion. Was viele Likes bekommt, wird als erstrebenswert wahrgenommen. Wer diesem Standard nicht entspricht, fühlt sich schnell minderwertig. Aus digitaler Bestätigung wird ein Gradmesser für den eigenen Wert – eine gefährliche Entwicklung, die besonders junge Menschen betrifft. Eine Studie zum Einfluss von Social Media auf unser Körperbild belegt diesen Trend eindrücklich. Rund 90 % der Befragten nutzen soziale Medien regelmäßig, aktiv oder passiv. Mode- und Beauty-Content gehört zu den beliebtesten Kategorien. Gleichzeitig gibt mehr als die Hälfte an, dass der Einfluss dieser Plattformen auf Schönheitsideale kritisch zu bewerten ist.

Das Paradoxe daran: Trotz dieser Einsicht lassen sich viele Menschen davon beeinflussen. Zwei Drittel bestätigen, dass soziale Medien ihre Selbstwahrnehmung beeinflussen. Jeder Dritte hat aufgrund solcher Inhalte bereits konkret über eine Schönheitsbehandlung nachgedacht. Die Zahlen zeigen deutlich, wie tief digitale Plattformen in unser Selbstbild eingreifen.

Wie digitale Bestätigung das Selbstbild verändert

Was macht Likes in puncto Selbstwahrnehmung so wirkmächtig? Es ist die unmittelbare Rückmeldung. Innerhalb von Sekunden lässt sich ablesen, wie gut ein Foto ankommt. Diese sofortige Bewertung prägt das eigene Körperbild nachhaltiger als jedes Magazin zuvor. Der ständige Vergleich hinterlässt Spuren. Besonders junge Menschen orientieren sich stark an dem, was online funktioniert. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Influencer wirken nahbar, authentisch, fast wie gute Freunde. Sie teilen scheinbar private Momente, sprechen über ihre Erfahrungen und schaffen Vertrauen. Diese emotionale Bindung macht ihre Botschaften besonders wirkungsvoll. Wenn sie über Schönheitsbehandlungen berichten, normalisiert das solche Eingriffe und senkt die Hemmschwelle erheblich. Die Daten der aktuellen Umfrage unterstreichen dieses Problem eindrücklich. 68 % der Befragten sind überzeugt, dass soziale Medien die Bereitschaft für Schönheitsbehandlungen erhöhen. Jeder Dritte berichtet aus eigener Erfahrung, dass digitale Inhalte sein Körperbild beeinflusst haben. Die Grenze zwischen Inspiration und Zwang verschwimmt zunehmend.

Social Media erhöht sogar die Bereitschaft für Schönheitsbehandlungen.

Zwischen Verantwortung und Aufklärung

Die Frage nach der Verantwortung wird lauter. Wer trägt sie, die Plattformen, die Influencer, die Nutzer selbst? Fast die Hälfte der Befragten fordert eine kontrolliertere Darstellung von Schönheitsbehandlungen in sozialen Medien. Der Wunsch nach Transparenz und seriöser Information wächst. Gleichzeitig zeigt sich ein Informationsdefizit. Nur knapp ein Drittel der Befragten folgt Influencern, medizinischen Experten oder einer Kombination aus beiden zum Thema Schönheit. Das bedeutet: Ein großer Teil der Menschen hat keinen Zugang zu fundierten, verlässlichen Informationen. Stattdessen dominieren inszenierte Bilder und oberflächliche Botschaften den Feed. Hier liegt eine Chance für medizinische Fachleute und seriöse Anbieter. Sie können mit evidenzbasierten Inhalten Aufklärung leisten, Mythen entkräften und realistische Erwartungen schaffen. Doch die Reichweite solcher Accounts ist derzeit noch begrenzt. Dieser Umstand muss sich ändern, wenn soziale Medien nicht nur als Verstärker unrealistischer Ideale wirken sollen.

Gegenbewegungen gewinnen an Kraft

Nicht alles ist negativ. In den letzten Jahren haben sich Bewegungen wie Body Positivity oder Body Neutrality etabliert. Sie setzen bewusst Gegenakzente zu den gängigen Schönheitsidealen, zeigen diverse Körper, feiern Unterschiede und fordern Akzeptanz statt Perfektion. Diese Ansätze finden zunehmend Anklang. Hashtags wie #bodypositivity verzeichnen Millionen Beiträge und erreichen eine breite Community. Sie bieten eine Alternative zu den sonst dominierenden Bildern und erinnern daran, dass Schönheit viele Gesichter hat. Gleichzeitig zeigt sich, dass soziale Medien wichtiger werden, auch in anderen Bereichen – von der beruflichen Vernetzung bis zur Selbstdarstellung. Jugendliche selbst entwickeln Strategien, um sich dem Druck zu entziehen. Dazu gehört, weniger Zeit in sozialen Netzwerken zu verbringen, bewusste Pausen einzulegen oder gezielt Accounts zu folgen, die positive Gefühle auslösen. Auch der „Reality Check" hilft vielen: Ein Blick in die echte Welt zeigt schnell, dass die Online-Ideale nicht der Norm entsprechen. 

Was bedeutet das für unsere Wahrnehmung?

Soziale Medien werden weiterhin eine zentrale Rolle in der Wahrnehmung von Schönheit spielen. Die Frage ist, wie verantwortungsvoll Plattformen, Influencer und Nutzer mit Likes als Bewertungsmaßstab umgehen. Transparenz, Aufklärung und eine breitere Darstellung von Körperbildern könnten helfen, den Druck zu verringern. Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Der Einfluss ist real, messbar und wirkt sich auf Millionen Menschen aus. 34 % der Befragten ziehen aufgrund von Social-Media-Inhalten eine Schönheitsbehandlung in Betracht. Das zeigt, wie stark digitale Bestätigung in Form von Likes in persönliche Entscheidungen einfließt und wie wichtig ein bewusster Umgang damit ist. Letztlich liegt die Verantwortung bei allen Beteiligten. Plattformen müssen ihre Algorithmen hinterfragen, Influencer sollten transparent kommunizieren, und Nutzer dürfen kritisch bleiben. Nur so kann verhindert werden, dass Likes zum alleinigen Maßstab für Schönheit werden – und die Realität auf der Strecke bleibt.