Leipzig - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ruft am Donnerstag, dem 7. Mai 2026, zu einer Kundgebung für mehr pädagogische Qualität in Sachsens Kindertagesstätten auf. Unter dem Motto „Der Schlüssel passt immer noch nicht“ sollen sich Beschäftigte, Eltern und Unterstützende um 17:15 Uhr auf dem Rathausvorplatz vor dem Neuen Rathaus in Leipzig versammeln.
Ursprünglich war die Kundgebung für 17:00 Uhr auf dem Leipziger Naschmarkt geplant. Nach Angaben von ver.di hat das Leipziger Aktiven-Netzwerk Sozial- und Erziehungsdienst jedoch entschieden, die Versammlung aufgrund der Amokfahrt an einen anderen Ort zu verlegen.
Christian Keil, zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär, erklärte dazu: „Die Geschehnisse haben uns schwer erschüttert. Wir können und wollen keine Kundgebung am aktuellen Tatort abhalten.“ Angehörige und Anteilnehmende sollten nicht durch die Geräuschkulisse einer Kundgebung in ihrer Trauer gestört werden.
Vor dem Neuen Rathaus soll die Anteilnahme laut Keil mit einer Schweigeminute ausgedrückt werden. Zugleich betont ver.di, dass die Sicherheit der Teilnehmenden eine zentrale Rolle spiele. Dazu stehe die Gewerkschaft im Austausch mit Polizei und Versammlungsbehörde. Nach Angaben von ver.di gehen öffentliche Stellen derzeit von keiner anhaltenden Gefährdungslage aus. Der Platz vor dem Neuen Rathaus sei an beiden Einfahrten mit Pollern gesichert.
Inhaltlich richtet sich die Kundgebung gegen die aus Sicht von ver.di weiterhin angespannte Lage in den Kindertagesstätten. Trotz sinkender Kinderzahlen habe sich die Qualität der Betreuung nicht verbessert. Die Gewerkschaft verweist auf personelle Engpässe trotz erfülltem Personalschlüssel, steigende Belastungen für Fachkräfte und eine aus ihrer Sicht unzureichende Finanzierung durch den Freistaat Sachsen.
Auch die berufliche Zukunft vieler Beschäftigter sei angesichts niedriger Geburtenraten im Freistaat ein Thema. Gleichzeitig fordert ver.di, sinkende Kinderzahlen nicht nur als Sparpotenzial zu betrachten, sondern als Chance für Verbesserungen in der Betreuung zu nutzen.
„Ob Personalschlüssel oder Finanzierungsschlüssel – der Schlüssel passt einfach nicht“, kritisiert Juliane Fiebig, ver.di-Aktive und Kita-Erzieherin in Leipzig. Die Landesregierung verwalte den Mangel, statt bestehende Chancen für echte Qualitätsverbesserungen zu nutzen.
Unterstützung erhält der Protest auch vom Leipziger Gesamtelternrat KiHoTa. Elternvertreterin Christiane Christelsohn betont, Kinder seien mehr als statistische Zahlen bei der Berechnung von Betreuungs- und Finanzierungsschlüsseln. Sie seien „der Schlüssel für unsere Zukunft“.
Auch Juliane Armbrust vom Leipziger Gesamtelternrat KiHoTa verweist auf die Belastung vieler Familien. Eltern erlebten täglich den Spagat zwischen Beruf und Familie. Personalmangel und schließende Kitas belasteten Kinder, Eltern und Fachkräfte gleichermaßen. Aus Sicht des Gesamtelternrats brauche es deshalb bessere Schlüssel in Betreuung und Finanzierung – von der Krippe über die Kita bis zum Hort.
ver.di fordert unter anderem einen verbindlichen Stufenplan zur Verbesserung des Personalschlüssels sowie eine bedarfsorientierte Finanzierung durch den Freistaat Sachsen. Ziel sei es, die Qualität der frühkindlichen Bildung langfristig zu sichern – im Interesse der Kinder, der Fachkräfte und der Familien.