Pünktlich zum Start der Brunnensaison gibt es in Dresden wieder Streit um Zuständigkeiten, Geld und den Betrieb der städtischen Wasserspiele. Insgesamt verfügt die Stadt über 102 wassertechnische Anlagen. Dazu zählen 71 Springbrunnen und 11 Trinkbrunnen. Von diesen 82 Anlagen sollen in diesem Jahr 73 in Betrieb gehen. Die letzten sollen bis Ende kommender Woche angeschaltet werden.
Holger Zastrow, früherer Landeschef der FDP in Sachsen und heute Dresdner Stadtrat für das „Team Zastrow“, fordert, Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen die Zuständigkeit für die Brunnen zu entziehen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert solle das Thema zur Chefsache machen, sagte Zastrow der Deutschen Presse-Agentur.
Zastrow kritisiert unter anderem, dass die Stadt auf der Hauptstraße eine sogenannte Nebeldusche für fast 50.000 Euro aufgestellt habe, während angeblich kein Geld für Brunnen vorhanden sei. Er spricht von einem „Brunnendesaster“ und einer „Blamage für Dresden“. Die Springbrunnen seien für ihn nicht nur Attraktion und Lebensfreude, sondern auch gut für das Stadtklima.
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen widerspricht der Kritik deutlich. Ein Wechsel der Zuständigkeit ändere weder die angespannte Haushaltslage der Stadt noch die Unterfinanzierung des Brunnenbetriebs. Hinzu kämen zunehmende Instandhaltungsprobleme und Reparaturbedarf.
Notwendig seien aus ihrer Sicht eine bessere Finanzausstattung, ein Nachtragshaushalt und ein Ende der städtischen Haushaltssperre. Projekte wie Nebeldüsen würden zudem aus anderen Töpfen finanziert und seien nicht mit dem dauerhaft notwendigen Betrieb der Brunnen vergleichbar.
Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt der finanzielle Bedarf für eine Brunnensaison zwischen 390.000 und 700.000 Euro. Damit könnten die Anlagen von April bis Oktober betrieben, Schäden durch Vandalismus behoben, Verschleißteile ausgetauscht sowie Kosten für Reinigung, Strom, Wasser und Abwasser gedeckt werden.
Im aktuellen Haushalt stehen jedoch maximal 350.000 Euro zur Verfügung. Wegen der Haushaltssperre ist zunächst nur die Hälfte dieses Betrags freigegeben. Sollte die Nachtragsvorlage bestätigt werden, könnten 80 Prozent der Summe genutzt werden.
Die Stadt verweist außerdem darauf, dass die Inbetriebnahme der Brunnen jedes Jahr mehrere Wochen dauere. Je nach Schäden aus dem Winter könne es vier bis sechs Wochen dauern, bis die Anlagen nach und nach wieder laufen.
Schon im vergangenen Jahr hatte es in Dresden Diskussionen darüber gegeben, wie viele Brunnen aus Kostengründen tatsächlich angeschaltet werden können. Die Linke wollte damals per Eilantrag im Stadtrat erreichen, dass mehr Anlagen in Betrieb gehen. Die Verwaltung hatte dagegen mit Blick auf die Kosten vorgeschlagen, auf den Betrieb eines Großteils der Brunnen zu verzichten.
Auch in diesem Jahr zeigt sich damit: Dresdens Brunnen sind längst mehr als nur ein sommerliches Stadtbild-Thema. Es geht um Lebensqualität, Klimaanpassung, städtische Finanzen und die Frage, welche Aufgaben sich die Stadt trotz angespannter Haushaltslage leisten kann.