Do., 01.01.2026 , 20:33 Uhr

Finanzierung gesichert – Zukunft offen

Streit um Dresdner Flughafen spitzt sich zu

Bis Ende 2026 ist der Betrieb der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden abgesichert. Doch ab 2027 droht ein Bruch: Sachsen-Anhalt will die Verluste des Dresdner Flughafens nicht länger mittragen. Die Debatte ist wirtschaftlich riskant und politisch heikel.

Countdown bis 2026

Noch ist Zeit, doch sie läuft schnell ab: Die Finanzierung der beiden sächsischen Flughäfen ist nur bis Ende 2026 gesichert. Danach beginnt eine neue Phase mit ungewissem Ausgang. Auslöser ist die Ankündigung Sachsen-Anhalts, sich ab 2027 nicht mehr an den Subventionen für den Flughafen Dresden zu beteiligen. Was technisch klingt, berührt zentrale Fragen zur Zukunft der Luftverkehrsstandorte in Mitteldeutschland – und zur Verantwortung der öffentlichen Hand.

Zwei Flughäfen, zwei Aufgaben

Die Flughäfen Flughafen Leipzig/Halle und Flughafen Dresden haben sich unterschiedlich entwickelt. Leipzig/Halle profiliert sich als internationales Fracht-Drehkreuz mit ergänzendem Urlaubsverkehr. Dresden hingegen gilt vor allem als Standortfaktor für Wirtschaft, Industrie und Geschäftsreisen.

„Leipzig und Dresden werden laut Lars Fiehler, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden keine Interkontinental-Drehkreuze mehr werden, wie einmal in den 90er Jahren erhofft. Dennoch könnten beide Flughäfen stabile, funktionierende Standorte bleiben.

Bedeutung für Industrie und Standortpolitik

Für Dresden verweist die IHK auf den wachsenden Bedarf der Industrie. Investitionen in der Halbleiterbranche erhöhen die Nachfrage nach verlässlichen Verbindungen zu internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt, München oder Amsterdam. Auch Unternehmen wie die Elbe Flugzeugwerke seien auf den Flughafen angewiesen. Aus Sicht der Wirtschaft ist Dresden damit weit mehr als ein Verkehrsknotenpunkt: ein strategischer Faktor für Ansiedlungen, Fachkräfte und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Sanierung unter hohem Druck

Wirtschaftlich steht die Mitteldeutsche Flughafen AG unter enormem Druck. 2024 verzeichnete der Konzern mit 53,5 Millionen Euro den höchsten Verlust seiner Geschichte. Nur durch neue Kredite und zusätzliche Gesellschafterzuschüsse konnte eine akute Finanzkrise abgewendet werden. Eine Finanzierungslücke von rund 145 Millionen Euro wurde geschlossen – der Betrieb ist damit vorerst gesichert.

Nun verfolgt die MFAG einen harten Sanierungs- und Konsolidierungskurs. Bis 2026 soll erstmals ein operativ positives Ergebnis erreicht werden. Geplant sind Kostensenkungen, Stellenabbau und eine stärkere Fokussierung auf Kernaufgaben. Die IHK hält dieses Ziel bei unveränderten Kapazitäten für „sehr ambitioniert“.

Warum Sachsen-Anhalt nicht mehr zahlen will

Ab 2027 droht insbesondere für Dresden neue Unsicherheit. Hintergrund ist die Eigentümerstruktur: Sachsen hält rund 77,3 Prozent der MFAG-Anteile, Sachsen-Anhalt etwa 18,5 Prozent. Weitere Anteile liegen bei den Städten Leipzig, Dresden und Halle.

Sachsen-Anhalt begründet seinen geplanten Ausstieg mit unterschiedlichen Landesinteressen. Ein unmittelbares regionalwirtschaftliches Interesse bestehe nur am Standort Leipzig/Halle. Eine weitere Finanzierung des Dresdner Flughafens schließt das Land ausdrücklich aus.

Sachsen signalisiert Unterstützung

Der Freistaat Sachsen betont hingegen seine Verantwortung für beide Standorte. „Die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sind weiterhin wichtige Bestandteile der öffentlichen Infrastruktur“, erklärt Finanzminister Christian Piwarz. Ziel sei es, beide Flughäfen langfristig zu stabilisieren und zukunftsfähig aufzustellen.

Sollte Sachsen-Anhalt aussteigen, stellt Sachsen alternative Finanzierungsmodelle für Dresden in Aussicht – etwa eine teilweise Erstattung von Kosten für nicht wirtschaftliche Aufgaben wie Sicherheit oder Brandschutz.

Verbund statt Abspaltung

Eine Herauslösung des Dresdner Flughafens aus der MFAG steht derzeit nicht zur Debatte. Beide Länder verweisen auf die konzernweiten Synergien: Zentrale Bereiche wie IT, Controlling, Einkauf oder Personal werden gemeinsam organisiert. Eine Abspaltung würde diese Effekte zunichtemachen.

Zudem verweist Sachsen-Anhalt auf eine positive Fortführungsprognose der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG – vorausgesetzt, der Sanierungskurs wird konsequent umgesetzt.

Entscheidung mit Signalwirkung

Für die IHK Dresden reicht das nicht aus. Flughäfen dauerhaft mit Millionen zu stützen, ohne Strukturen grundlegend anzupassen, sei kein tragfähiges Modell, so Fiehler. Gefordert werden eine klare Neuausrichtung und Kapazitätsanpassungen. Auch alternative Nutzungskonzepte wie der Verkauf oder die Vermietung von Flächen werden ins Spiel gebracht. IHK-Präsident Andreas Sperl brachte sogar eine Ausgründung und Privatisierung des Dresdner Flughafens ins Gespräch.

Die Gespräche zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt über die Zeit nach 2026 stehen kurz vor dem Abschluss. Eine Entscheidung soll Anfang 2026 fallen. Bis dahin ist der Betrieb gesichert – doch wie es mit dem Flughafen Dresden weitergeht, bleibt offen.