Do., 15.01.2026 , 12:54 Uhr

Bis 2035 könnten in Sachsen rund 120.000 Sozialwohnungen fehlen

Studie warnt vor Mangel an Sozialwohnungen

Eine Studie sieht in Sachsen einen drastisch steigenden Bedarf an Sozialwohnungen. Bis 2035 müssten zehntausende neue Wohnungen entstehen, um Mindeststandards zu erfüllen.

Dresden/Berlin – In Sachsen droht in den kommenden Jahren ein erheblicher Mangel an Sozialwohnungen. Das geht aus dem aktuellen „Sozialen Wohn-Monitor 2026“ hervor, der am Vormittag in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie wurde vom Pestel-Institut im Auftrag des Verbändebündnisses Soziales Wohnen erstellt.

Demnach werden in Sachsen bis zum Jahr 2035 rund 120.000 Sozialwohnungen benötigt, um einen Mindeststandard von 8,5 Prozent Sozialwohnungen bezogen auf alle Mieterhaushalte zu erreichen. Aktuell liegt diese Quote im Freistaat bei etwa einem Prozent und zählt damit zu den niedrigsten Werten bundesweit. Laut Studie erreicht derzeit lediglich Hamburg den angestrebten Richtwert.

Zum Stichtag 2024 gab es in Sachsen rund 13.800 Sozialwohnungen. Um den prognostizierten Bedarf zu decken, müsste der Bestand nahezu verneunfacht werden. Erschwerend kommt hinzu, dass in den vergangenen Jahren im Durchschnitt etwa 1.400 Sozialwohnungen jährlich vom Markt verschwunden sind, da ihre Sozialbindungen ausgelaufen sind.

Die Autoren der Studie errechnen, dass in Sachsen jährlich rund 11.100 neue Sozialwohnungen entstehen müssten. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren lediglich zwischen 1.000 und 3.000 Sozialwohnungen pro Jahr gebaut, in den Coronajahren sogar noch weniger. Grundlage der Berechnungen sind Daten der Statistischen Ämter.

Nach Angaben des Pestel-Instituts gelten rund 13 Prozent der Menschen in Sachsen als armutsgefährdet. Zudem wurde die Einkommensgrenze für den Wohnberechtigungsschein, der Voraussetzung für die Anmietung einer Sozialwohnung ist, zu Jahresbeginn durch die Landesregierung angehoben.

Auftraggeber der Untersuchung ist das Bündnis Soziales Wohnen, dem unter anderem der Deutscher Mieterbund, die IG BAU sowie weitere Organisationen angehören. Das Bündnis fordert einen gemeinsamen Bund-Länder-Pakt, um den sozialen Wohnungsbau deutlich auszuweiten.

Der Wohnungsmangel verschärft sich der Studie zufolge nicht nur in Sachsen, sondern bundesweit. Bereits Ende 2024 habe das Defizit in Deutschland bei rund 1,4 Millionen Wohnungen gelegen. Eine Entspannung ist nach Einschätzung des Pestel-Instituts nicht absehbar. Für die kommenden Jahre wird lediglich mit etwa 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr gerechnet – etwa halb so viele wie benötigt. Den Gesamtbedarf bis 2030 beziffert das Institut auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen.