Do., 18.06.2026 , 10:43 Uhr

620 Veranstaltungen zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Tacheles 2026 zieht positive Halbzeitbilanz

Tacheles 2026 übertraf zur Halbzeit die Erwartungen: Bereits 620 Veranstaltungen fanden in rund 85 sächsischen Orten statt.

Dresden - Zur Halbzeit von Tacheles 2026 haben die Organisatoren eine positive Zwischenbilanz gezogen. Das landesweite Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen läuft seit dem 14. Dezember 2025 und wurde von Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landesrabbiner Zsolt Balla eröffnet. Ursprünglich waren 365 Veranstaltungen als Ziel benannt worden. Diese Erwartung wurde bereits deutlich übertroffen.

Bis zur Halbzeit waren 620 Programmpunkte im Rahmen des Themenjahres zu erleben. Jede Woche fanden mindestens 25 Veranstaltungen statt. Die im März angepeilte Marke von 1.000 Veranstaltungen bis zum Ende des Themenjahres am 12. Dezember 2026 gilt damit als erreichbar.

Veranstaltungen im ganzen Freistaat

Tacheles 2026 war und ist in zahlreichen Regionen Sachsens präsent. Nach Angaben der Organisatoren fanden oder finden Veranstaltungen in rund 85 Städten und Gemeinden statt. Besonders viele Programmpunkte gab es in Leipzig und Dresden. Umfangreiche Angebote wurden außerdem unter anderem für Wurzen, Görlitz, Meißen, Freiberg und Oederan genannt.

Die bisherigen Programmpunkte zeigten eine große Bandbreite. Dazu gehörten Jazzkonzerte im Dresdner Kulturpalast, Operettenabende in Annaberg-Buchholz, eine Ausstellung im Bach-Haus Leipzig, Vorträge zur Rolle des Judentums in der Popkultur, ein Frühjahrsfest in Bad Lausick, eine Ausstellungsreihe zur Rolle von Jüdinnen und Juden in Chemnitz sowie eine Vortragsreihe über frühere jüdische Familien in Görlitz.

Kultur, Bildung und Begegnung

Am Themenjahr beteiligten sich neben Kultureinrichtungen wie Theatern, Museen, Philharmonien, Galerien und Clubs auch Vereine, Religionsgemeinschaften, Bibliotheken, Forschungsinstitutionen und zivilgesellschaftliche Akteure. Nach Angaben der Projektverantwortlichen Dr. Sabine Wolfram, Direktorin des smac, wurde die Beteiligung bewusst niedrigschwellig angelegt. Programmpunkte mit jüdischem Bezug oder mit Beteiligung jüdischer Personen konnten Teil des Themenjahres werden, wenn sie auf der offiziellen Homepage eingetragen wurden.

Kulturministerin Barbara Klepsch verwies auf die Resonanz im Freistaat. Sie dankte den mehr als 250 Kulturakteuren aus den Regionen Sachsens, die sich am Themenjahr beteiligten. Tacheles 2026 schaffe Räume für Begegnung, Erinnerung und Austausch und mache sichtbar, dass jüdische Geschichte und Kultur Teil der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Sachsens seien.

Bildungsangebote machen einen großen Anteil aus

Auch die politische und kulturelle Bildung nahm im Themenjahr eine wichtige Rolle ein. Kultusminister Conrad Clemens hob hervor, dass Bildungsangebote rund ein Fünftel der Programmpunkte ausmachten. Tacheles 2026 mache jüdisches Leben in seiner Vielfalt erlebbar und könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen sowie Verständnis und Empathie zu stärken.

Als ein Highlight der zweiten Jahreshälfte wurden Workshops zum Laubhüttenfest Sukkot genannt. Das Fest findet kurz nach dem 100. Jubiläum der Gründung des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden statt. Dabei sollen Kinder und Erwachsene jüdische Bräuche und Traditionen unter anderem beim gemeinsamen Essen, Trinken und Laubhüttenbauen kennenlernen.

Leipzig mit mehreren Bezügen im Programm

Auch Leipzig spielte im Themenjahr eine sichtbare Rolle. Genannt wurden unter anderem eine Ausstellung im Bach-Haus Leipzig, Veranstaltungen mit Bezug zur jüdischen Gemeinde sowie die angekündigte Einrichtung einer Außenstelle der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Leipzig. Kultusminister Clemens verwies darauf, dass diese Entscheidung die Bildungsarbeit im Freistaat über das Jahr der jüdischen Kultur hinaus stärken werde.

Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und künstlerischer Berater von Tacheles 2026, sah den größten Erfolg darin, dass jüdische Kultur auf die große sächsische Bühne gebracht worden sei. Die jüdischen Gemeinden hätten gespürt, dass sie ein unverzichtbarer Teil der sächsischen Kultur insgesamt seien.

Förderung auch für kurzfristige Projekte

Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen unterstützte zahlreiche Projekte im Themenjahr. Für kurzfristig geplante Vorhaben wurde zusätzlich ein Förderprogramm für Kleinprojekte im jüdischen Kontext ausgeschrieben. Stiftungsdirektor Prof. Dr. Manuel Frey erklärte, die Resonanz auf diese Förderung zeige das große Interesse daran, jüdisches Leben und jüdische Kultur kennenzulernen. Besonders in ländlichen Regionen Sachsens konnten dadurch weitere Projekte unterstützt werden.

Zu den genannten geförderten Vorhaben gehörten unter anderem der Escape Room „Fixing the Boat – Finding Identity“ im Neuberinhaus Reichenbach, das Konzert der Band Harts un Neschome im Freibad Ostritz sowie der „Jüdische Salon der Gegenwart“ des Ensemble Youkali im Dresdner Lingnerschloss.

Weitere Veranstaltungen im Juli

Für die kommenden Monate standen nach Angaben der Organisatoren noch hunderte weitere Veranstaltungen fest. Für Juli wurden unter anderem Ausstellungen in Eilenburg und Meißen, eine Performance in Chemnitz, Straßentheater in Meißen, Vorträge in Dresden und Chemnitz sowie eine Diskussion mit Konzert im Leipziger Conne Island angekündigt.

Tacheles 2026 bleibt damit auch in der zweiten Jahreshälfte ein breit angelegtes Kultur- und Bildungsprogramm. Das Themenjahr soll jüdische Kultur und Geschichte in Sachsen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.