Mi., 14.01.2026 , 11:20 Uhr

Zweite Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst startet in Potsdam

Tarifverhandlungen Länder: Warnstreiks möglich

In Potsdam beginnt die zweite Runde der Tarifverhandlungen der Länder. Gewerkschaften fordern ein Angebot – andernfalls drohen Warnstreiks auch in Sachsen.

Leipzig/Radebeul - Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder gehen in die zweite Runde. Am 15. und 16. Januar 2026 treffen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber in Potsdam. Gewerkschaftsvertreter erwarten ein verhandlungsfähiges Angebot. Sollte dieses ausbleiben, schließen sie Warnstreiks nicht aus.

In der aktuellen Tarifrunde wird die Einkommensentwicklung für alle Beschäftigten der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) verhandelt – ausgenommen Hessen. Betroffen sind unter anderem Lehrkräfte, Beschäftigte an Hochschulen sowie zahlreiche weitere Berufsgruppen im öffentlichen Dienst.

Forderungen der Gewerkschaften

Der dbb beamtenbund und tarifunion, Spitzengewerkschaft des Sächsischer Lehrerverband (SLV), fordert eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 7 Prozent, mindestens jedoch 300 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus verlangen die Gewerkschaften eine stufengleiche Höhergruppierung sowie eine Weiterentwicklung der Entgeltordnung für Lehrkräfte und der allgemeinen Entgeltordnung der TdL.

Steffen Winkler, Tarifverantwortlicher des SBB Beamtenbund und Tarifunion, erklärte, die Arbeitgeber stünden nun in der Verantwortung. Die Beschäftigten bräuchten spürbare Einkommenserhöhungen und Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen.

Warnstreiks bei fehlendem Angebot

Erfahrungsgemäß legen die Arbeitgeber laut Gewerkschaften in der zweiten Verhandlungsrunde nicht immer ein tragfähiges Angebot vor. Sollte sich dieses Muster wiederholen, kündigen der SLV, die GEW Sachsen sowie der SBB Beamtenbund und Tarifunion an, den Druck zu erhöhen und gemeinsame Arbeitskampfmaßnahmen einzuleiten.

Michael Jung, Landesvorsitzender des SLV und Mitglied der Bundestarifkommission des dbb, bezeichnete die Forderungen als „notwendiges Minimum“. Lehrkräfte leisteten einen zentralen Beitrag zum Funktionieren des öffentlichen Dienstes und benötigten dafür faire Einkommen und verlässliche Rahmenbedingungen.

GEW Sachsen kündigt Streiks an

Auch die GEW Sachsen hat mögliche Warnstreiks angekündigt. Mit Blick auf die zweite Verhandlungsrunde erklärte der GEW-Landesvorsitzende Burkhard Naumann, dass die Arbeitsbedingungen an Schulen und Hochschulen durch Überstunden, Unterfinanzierung und zusätzliche Aufgaben stark belastet seien. Sollte kein angemessenes Angebot vorgelegt werden, wolle die GEW ab der kommenden Woche zu Warnstreiks an Schulen und Hochschulen aufrufen.

Neben der geforderten Gehaltserhöhung von 7 Prozent – mindestens 300 Euro – verlangen die Gewerkschaften 200 Euro mehr monatlich für Auszubildende und Praktikanten, die Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung sowie einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV Stud).

Hintergrund der Tarifrunde

Bundesweit verhandeln die Gewerkschaften für rund 2,6 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder. Die GEW organisiert dabei unter anderem Lehrkräfte, Schulassistentinnen und Schulassistenten sowie Beschäftigte an Hochschulen. Für die DGB-Gewerkschaften führt ver.di die Verhandlungen. Die erste Verhandlungsrunde fand am 3. Dezember 2025 in Berlin statt.

Weitere Informationen stellen der dbb beamtenbund und tarifunion sowie der Sächsische Lehrerverband auf ihren jeweiligen Internetseiten bereit.