Harte Gitarren, elektronische Sounds und eine monumentale Kulisse: Beim zweitägigen „Till Fest“ vor dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal kommen Fans aus Sachsen und ganz Deutschland zusammen. Mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher werden pro Festivaltag auf dem Gelände erwartet.
Auf zwei Bühnen gibt es jeweils rund fünf Stunden Live-Musik. Neben Till Lindemann treten unter anderem Ministry, Aesthetic Perfection und weitere internationale Acts auf. Lindemann selbst steht an beiden Abenden mit unterschiedlichen Shows auf der Bühne.
Doch für viele Besucherinnen und Besucher geht es um weit mehr als nur um ein Festivalwochenende. Manche verbinden mit der Musik Erinnerungen aus mehreren Jahrzehnten. Andere erleben Till Lindemann an diesem Wochenende zum ersten Mal live.
Lux ist aus dem Erzgebirge angereist. Für ihn ist das Till Fest ein ganz besonderer Moment.
„Es ist das erste Mal, dass ich heute live stehen darf. Ein Lebenstraum. Absolute Inspiration. Das Geilste, was hätte jemals passieren können“, sagt er kurz vor dem Konzert.
Was ihn besonders begeistert, ist das Zusammenspiel aus Musik und Inszenierung. Er beschreibt vor allem die theatralische und düstere Art der Bühnenshows als Teil der Faszination.
Auch Michel begleitet die Musik schon lange. Für ihn beginnt die Begeisterung ganz unmittelbar beim Sound.
„Tatsächlich einfach der Rockcharakter, harter Rock, das gefällt mir. Ich bin ja damit groß geworden, seit dem Anfang“, sagt er.
Für andere Fans stehen die Inhalte stärker im Mittelpunkt.
Alexandra Bahr ist Autorin des Buches „Radikal frei“, arbeitet seit vielen Jahren im Berliner Nachtleben und ist in Hoyerswerda aufgewachsen. Rock und Metal begleiten sie seit ihrer Jugend.
An Till Lindemanns Musik schätzt sie besonders die Verbindung von Härte und inhaltlicher Tiefe.
„Naja, gerade Till legt halt den Daumen in die Wunde. Der hat halt einen Blick für alles, was eigentlich nicht so gut läuft in der Welt, für alles, was wir Menschen uns gegenseitig antun und macht daraus eben eine besondere Kunstform“, sagt Bahr.
Für sie liegt der Reiz darin, dass auch die Schattenseiten des Lebens Teil einer künstlerischen Auseinandersetzung werden. Die Texte arbeiten häufig mit starken Bildern und verschiedenen Deutungsebenen. Gerade das sorgt bei vielen Fans dafür, dass sie immer wieder genauer hinhören.
Silke kommt aus der Nähe von Leipzig. Sie hat Till Lindemann bereits bei einem früheren Konzert in der Stadt erlebt. Für sie ist die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein emotionales Ventil.
„Man kann halt quasi die Sau rauslassen, sage ich mal so. Also auch mal die Wut. Also das tut mir eigentlich sehr gut, die Musik dafür. Wenn ich irgendwie Probleme habe, höre ich mir die Musik an und dann geht es ab“, erzählt sie.
Beim Till Fest bekommt dieses Gefühl für sie einen besonderen Rahmen. Tausende Menschen stehen gemeinsam vor der Bühne, hören dieselbe Musik und erleben die Shows zusammen.
Eine besondere Rolle spielt auch der Veranstaltungsort. Das Till Fest findet vor dem Völkerschlachtdenkmal statt – einer der bekanntesten Leipziger Kulissen und zugleich einem geschichtsträchtigen Erinnerungsort.
Für Michel trägt der Ort wesentlich zur Atmosphäre bei.
„Das Ambiente ist super, gerade wenn es dann dunkel wird und die das dort noch beleuchten. Hoffen wir mal, dass es so wird. Also es ist eine schöne Location“, sagt er.
Auch Alexandra Bahr sieht in der Verbindung von moderner Live-Musik und historischem Ort etwas Besonderes.
Für sie stehe die Nutzung eines solchen Ortes für kulturelle Veranstaltungen auch für Offenheit und dafür, dass verschiedene Ausdrucksformen ihren Platz finden können.
Dass Musik ein Teil der eigenen Lebensgeschichte werden kann, zeigt ein Besucher aus Hanau. Er ist für das Festival nach Leipzig gereist und verfolgt die musikalische Entwicklung Till Lindemanns und seiner Band Rammstein schon seit vielen Jahren.
„Also ich war 94 auf dem ersten Rammstein-Konzert. Da war die Band noch ganz klein. Und seitdem verfolge ich die. Und seitdem bin ich absoluter Rammstein-Fan. Und auch jetzt mittlerweile Till-Fan“, erzählt er.
Seine Geschichte zeigt, wie unterschiedlich die Menschen vor der Bühne sind. Manche hören die Musik seit Jahrzehnten. Andere entdecken die Solo-Songs erst später. Wieder andere stehen an diesem Wochenende zum ersten Mal bei einer Till-Lindemann-Show im Publikum.
Organisiert wird die zweitägige Veranstaltung von MAWI Concert. Der Aufbau der großen Bühne begann bereits etwa eine Woche vor Festivalstart.
Carlo Winkler leitet bei MAWI Concert Marketing und Pressearbeit. Für ihn liegt die besondere Bedeutung von Konzerten vor allem im gemeinsamen Live-Erlebnis.
„Das Wunderbare bei Konzerten ist, dass sie live sind und Musik verbindet Menschen. Das ist immer so ein bisschen das Credo und darum geht es“, sagt Winkler.
Genau das wird beim Till Fest in Leipzig sichtbar: Für die einen ist es der harte Sound. Für andere sind es die Texte, die große Show oder Erinnerungen aus vielen Jahren.
Und vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft dieser Musik: Sie ist laut genug für Tausende – und für viele trotzdem etwas ganz Persönliches.