Dresden - Bei den Staatsanwaltschaften in Sachsen bleibt die Zahl der unerledigten Ermittlungsverfahren auf einem hohen Niveau. Zur Jahresmitte 2026 waren rund 47.200 Verfahren offen. Das geht aus einer Recherche der Deutschen Richterzeitung bei den Landesjustizverwaltungen hervor.
Im Vergleich zum Jahresbeginn hat sich die Situation leicht entspannt. Im ersten Halbjahr sank die Zahl der offenen Verfahren demnach um etwa 350 Fälle. Der Blick auf das Vorjahr zeigt allerdings eine andere Entwicklung: Im Juni 2025 waren rund 1.200 Verfahren weniger offen als ein Jahr später.
Damit haben die sächsischen Staatsanwaltschaften weiterhin einen erheblichen Bestand an laufenden Verfahren zu bearbeiten.
Eine Ursache für die Entwicklung könnte in den zuvor stark gestiegenen Eingangszahlen liegen. Von Januar bis Juni 2026 gingen bei den Staatsanwaltschaften in Sachsen knapp 14.000 neue Verfahren ein. Das waren etwa 1.600 weniger als im ersten Halbjahr 2025.
Damit deutet sich nach mehreren Jahren stark steigender Zahlen eine Veränderung an. Zwischen 2021 und 2024 war die Zahl der eingehenden Verfahren nach den vorliegenden Angaben um rund ein Drittel auf 301.000 gestiegen.
Im Jahr 2025 wurde dieser Trend erstmals unterbrochen. Damals wurden mit 255.200 neuen Fällen weniger Verfahren registriert als im Vorjahr.
Trotz des Rückgangs bei den Neueingängen bleibt der Bestand offener Verfahren hoch. Wie schnell sich dieser abbauen lässt, hängt unter anderem davon ab, wie viele neue Fälle hinzukommen und wie viele bestehende Verfahren abgeschlossen werden können.
Die Entwicklung betrifft nicht nur Sachsen. Bundesweit meldeten die Staatsanwaltschaften zur Jahresmitte 2026 erstmals mehr als 1,1 Millionen offene Ermittlungsverfahren. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht.
Der Deutsche Richterbund sieht angesichts der Zahlen politischen Handlungsbedarf. Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn forderte die Landesregierungen dazu auf, konsequent gegenzusteuern. Die hohen Eingangszahlen und wachsenden Aktenbestände belasteten die Strafverfolgungsbehörden erheblich.
Rebehn warnte zudem davor, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen könne, Strafverfolgung werde zunehmend von den verfügbaren personellen und finanziellen Kapazitäten abhängig.
Auch wenn in Sachsen im ersten Halbjahr 2026 etwas weniger neue Verfahren eingegangen sind als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, bleibt der Arbeitsbestand der Staatsanwaltschaften groß.
Die Zahlen zeigen zugleich, dass kurzfristige Rückgänge bei den Neueingängen nicht automatisch zu einem schnellen Abbau der offenen Verfahren führen. Zur Jahresmitte waren weiterhin mehr Fälle unerledigt als im Juni 2025.
Wie sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte entwickelt, geht aus den bislang vorliegenden Zahlen nicht hervor.