Leipzig/Dresden - An Sachsens Schulen ist im vergangenen Schuljahr weniger planmäßiger Unterricht ausgefallen. Nach Zahlen des Sächsischen Kultusministeriums lag der Anteil im Schuljahr 2025/26 bei 3,1 Prozent. Im Schuljahr zuvor waren es noch 3,5 Prozent gewesen. Das entspricht einem Rückgang um 0,4 Prozentpunkte beziehungsweise 11,4 Prozent.
Im ersten Halbjahr 2025/26 lag der planmäßige Unterrichtsausfall bei 3,3 Prozent, nach 3,7 Prozent im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im zweiten Halbjahr sank der Wert von 3,2 auf 2,9 Prozent.
Kultusminister Conrad Clemens wertet die Entwicklung positiv. Insbesondere die Situation an den Oberschulen habe sich verbessert. Nach Angaben des Ministeriums habe dazu auch beigetragen, dass im Schuljahr 2025/26 mehr Lehrkräfte eingestellt wurden, als den Schuldienst verlassen haben.
Besonders groß fällt die Veränderung an den sächsischen Oberschulen aus. Dort sank der planmäßige Unterrichtsausfall von 7,6 Prozent im Schuljahr 2024/25 auf 5,6 Prozent im Schuljahr 2025/26. Das entspricht einem Rückgang um 26,3 Prozent.
Auch an Förderschulen ging der planmäßige Ausfall leicht zurück. Er sank von 7,9 auf 7,6 Prozent. An Gymnasien verringerte er sich von 1,5 auf 1,4 Prozent.
Nicht an allen Schularten zeigt die Entwicklung jedoch nach unten. An den Grundschulen stieg der planmäßige Unterrichtsausfall von 0,8 auf 1,3 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 0,5 Prozentpunkte beziehungsweise 62,5 Prozent. Auch an den Beruflichen Schulzentren nahm der Wert zu, von 1,4 auf 1,8 Prozent.
Neben dem planmäßigen Unterrichtsausfall erfasst die Statistik auch Stunden, die außerplanmäßig nicht stattfinden. Gründe dafür können beispielsweise Erkrankungen, Fortbildungen oder schulische Veranstaltungen sein.
Hier zeigt sich kaum eine Verbesserung. Der außerplanmäßige Unterrichtsausfall lag im vergangenen Schuljahr bei 5,8 Prozent und damit geringfügig über dem Vorjahreswert von 5,7 Prozent.
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen an. Sie warnt davor, allein aus dem Rückgang des planmäßigen Unterrichtsausfalls auf eine insgesamt deutlich bessere Situation an den Schulen zu schließen.
GEW-Landesvorsitzender Burkhard Naumann verweist darauf, dass nach Berechnungen der Gewerkschaft zwar rund 74.000 Stunden weniger planmäßig ausgefallen seien, der außerplanmäßige Unterrichtsausfall zugleich aber um etwa 43.500 Stunden auf 1,34 Millionen Stunden gestiegen sei.
Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft die Entwicklung an den Grundschulen. Nach Angaben der GEW habe inzwischen jede zweite Grundschule planmäßigen Unterrichtsausfall.
Auch die Situation an den Förderschulen bewertet die Gewerkschaft anders als die reine Betrachtung des planmäßigen Ausfalls. Die GEW spricht hier von insgesamt 14,8 Prozent Unterrichtsausfall. Damit bezieht sie neben dem planmäßigen auch weiteren Unterrichtsausfall ein. Die unterschiedlichen Zahlen sind deshalb nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.
Die GEW kritisiert zudem, dass weniger statistisch erfasster planmäßiger Unterrichtsausfall nicht automatisch eine bessere Unterrichtsqualität bedeute.
Nach Angaben der Gewerkschaft wurden im Schuljahr 2025/26 rund 3.000 Lehrkräfte abgeordnet. Ein Teil des Unterrichts sei außerdem fach- oder schulartfremd erteilt worden. Die GEW nennt hierfür einen Anteil von insgesamt rund einem Viertel des Unterrichts. An Grundschulen seien es 27 Prozent gewesen, an Oberschulen 29 Prozent und an Förderschulen 62 Prozent.
Für das laufende Schuljahr spricht die Gewerkschaft von inzwischen mehr als 5.000 abgeordneten Lehrkräften. Viele von ihnen würden von Grundschulen an Ober- und Förderschulen versetzt beziehungsweise zeitweise abgeordnet.
Naumann kritisiert, der bestehende Personalmangel werde damit zwischen den Schulen verteilt, anstatt grundsätzlich behoben zu werden. Wechselnde Lehrkräfte sowie fach- und schulartfremder Unterricht könnten aus Sicht der GEW die Qualität und Kontinuität des Unterrichts beeinträchtigen.
Damit ergibt sich aus den aktuellen Zahlen ein gemischtes Bild. Beim planmäßigen Unterrichtsausfall ist sachsenweit ein Rückgang erkennbar. Besonders deutlich fällt dieser an den Oberschulen aus. Gleichzeitig steigt der Wert an Grundschulen und Beruflichen Schulzentren.
Beim außerplanmäßigen Unterrichtsausfall gibt es dagegen praktisch keine Verbesserung. Während das Kultusministerium deshalb vor allem den Rückgang des planmäßigen Ausfalls hervorhebt, fordert die GEW einen stärkeren Blick auf Arbeitsbelastung, Abordnungen und die tatsächliche Unterrichtsqualität.
Die Gewerkschaft verlangt unter anderem weniger Abordnungen, zusätzliche Entlastung für Klassenleitungen, einen Ausbau der Schulassistenz sowie stärkere Anreize für Lehrkräfte in Regionen mit besonderem Personalbedarf.
Das Kultusministerium veröffentlicht die Daten zum planmäßigen und außerplanmäßigen Unterrichtsausfall auch für einzelne Schulen. Damit lässt sich nachvollziehen, wie unterschiedlich die Situation innerhalb Sachsens ausfällt.