Mi., 09.09.2026 , 12:11 Uhr

Covenant will ab 2027 Marschflugkörper im Raum Leipzig herstellen

US-Rüstungsfirma plant Produktion bei Leipzig

Das US-israelische Unternehmen Covenant will im Raum Leipzig Marschflugkörper produzieren. Die Fertigung soll 2027 starten und deutlich ausgebaut werden.

Leipzig/Berlin - Das US-israelische Rüstungsunternehmen Covenant plant den Aufbau einer umfangreichen Produktion von Marschflugkörpern in Sachsen. Die Fertigung des Waffensystems Anthem soll nach Angaben des Unternehmens bereits im kommenden Jahr im Raum Leipzig beginnen. Produziert werden soll für europäische Kunden.

Covenant-Chefin Abigail Denburg kündigte an, zunächst etwa 1.000 Marschflugkörper pro Jahr herstellen zu wollen. Anschließend soll die Produktion deutlich steigen. Ziel des Unternehmens sei eine Jahresproduktion von 5.000 Stück.

Neben dem geplanten Standort in Sachsen verfügt Covenant über eine Fabrik in Dallas im US-Bundesstaat Texas. Dort sollen die US-Streitkräfte versorgt werden.

Anthem für weitreichende Präzisionsschläge

Der Marschflugkörper Anthem kann nach Angaben des Unternehmens einen Gefechtskopf mit einem Gewicht von 200 Kilogramm tragen. Zur genauen Reichweite macht Covenant keine Angaben. Medienberichte nennen eine mögliche Reichweite von 1.500 Kilometern, was das Unternehmen jedoch nicht bestätigt.

Covenant bezeichnet Anthem als Waffensystem für sogenannte „Deep Strikes“, also für weitreichende Präzisionsangriffe tief im gegnerischen Gebiet.

Das Unternehmen will seinen Marschflugkörper zudem deutlich günstiger anbieten als vergleichbare Systeme. Nach Angaben Covenants soll Anthem einen sechsstelligen Betrag kosten und damit weniger als eine Million US-Dollar pro Stück. Andere Systeme dieser Art kosten dem Unternehmen zufolge mehrere Millionen US-Dollar.

Produktion soll schnell ausgeweitet werden

Die geplante Massenproduktion ist Teil der Strategie des Unternehmens. Covenant argumentiert, große Waffenbestände könnten die militärische Abschreckungsfähigkeit erhöhen.

Unternehmenschefin Denburg erklärte, die Berechnung eines möglichen Gegners ändere sich, wenn Staaten über umfangreiche Waffenarsenale verfügten. Einzelne Angriffsmöglichkeiten seien aus ihrer Sicht weniger abschreckend als eine dauerhaft verfügbare große Zahl entsprechender Systeme.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur befindet sich Covenant bereits in Gesprächen mit der Bundeswehr und der zuständigen Beschaffungsbehörde. Offiziell bestätigt wurden diese Gespräche bislang nicht.

Denburg erklärte zugleich, es gebe bereits einen Produktionsvertrag, bei dem Lieferungen aus Deutschland ab dem ersten Quartal 2027 vorgesehen seien. Welcher europäische Kunde dahintersteht, sagte sie nicht. Dieser werde selbst entscheiden, wann er den Auftrag öffentlich mache.

Unternehmen wurde erst 2024 gegründet

Covenant wurde 2024 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Washington. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen in drei Finanzierungsrunden mehr als 250 Millionen US-Dollar beziehungsweise rund 215 Millionen Euro von Investoren eingesammelt.

Zu den Geldgebern gehört auch der Founders Fund, zu dessen Mitgründern Peter Thiel zählt. Thiel ist unter anderem für libertäre und rechtskonservative Positionen sowie seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump bekannt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte in der Vergangenheit Bedenken im Zusammenhang mit Thiel ausdrücklich geteilt.

In Deutschland arbeitet Covenant nach eigenen Angaben mit dem früheren Bundeswehr-General Andreas Marlow zusammen. Der Generalleutnant außer Dienst war bis 2025 Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und leitete ab 2022 auch die EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte.

Marlow bezeichnet ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper als ein fehlendes Element der europäischen Abschreckungsarchitektur.

Europa sucht nach weitreichenden Waffensystemen

Die Pläne für eine Produktion im Raum Leipzig fallen in eine Phase, in der Deutschland und andere europäische Nato-Staaten ihre Fähigkeiten für weitreichende Präzisionsangriffe ausbauen wollen.

Die Bundesregierung hatte sich beim Nato-Gipfel in Ankara mit den USA auf den Kauf von Marschflugkörpern des Typs Tomahawk geeinigt. Anfang September testete die Deutsche Marine zudem erfolgreich das israelische Raketensystem Lora.

Deutschland verfügt außerdem über den Marschflugkörper Taurus des Rüstungskonzerns MBDA. Eine Massenproduktion wie von Covenant für Anthem angekündigt gibt es dabei jedoch nicht.

Mehrere europäische Nato-Staaten arbeiten zugleich an eigenen Lösungen für weitreichende Präzisionsangriffe. Auf dem Nato-Gipfel in Washington wurde dafür 2024 das Projekt „European Long-Range Strike Approach“, kurz Elsa, angestoßen.

Mit der geplanten Anthem-Produktion könnte Sachsen und insbesondere der Raum Leipzig damit künftig eine Rolle beim Aufbau europäischer Kapazitäten für weitreichende Waffensysteme spielen. Ob und an welchem konkreten Standort die Produktion entstehen soll, geht aus den bisherigen Angaben des Unternehmens nicht hervor.