Mo., 11.05.2026 , 13:01 Uhr

Wohnungswirtschaft sieht Sanierung als Chance für bezahlbares Wohnen

Verbände fordern Wohnraumförderung

Mitteldeutsche Wohnungsverbände fordern verlässliche Förderprogramme. Vor allem die Sanierung bestehender Bestände soll bezahlbares Wohnen sichern.

Leipzig - Die mitteldeutschen Verbände der sozial orientierten Wohnungswirtschaft fordern realistische politische Rahmenbedingungen, verlässliche Förderprogramme und praktikable Vorgaben für den Klimaschutz. Ohne entsprechende Unterstützung könnten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Investitionen ausbleiben. Das hätte nach Einschätzung der Verbände Folgen für bezahlbaren Wohnraum, soziale Stabilität und die Erreichung der Klimaziele.

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie bestehende Wohnungsbestände gesichert und modernisiert werden können. Besonders die Sanierung von Plattenbauten sehen die Verbände als möglichen Hebel. Sie könnten demnach dazu beitragen, klimafreundliche Lösungen industriell zu entwickeln und in größerem Maßstab umzusetzen.

Jens Zillmann, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, verweist auf fehlende Förderstrukturen. Vielerorts gebe es nicht die notwendige Förderkulisse. In Sachsen-Anhalt stünden aktuell keine aktiven Wohnraumförderprogramme zur Verfügung. Wenn bezahlbarer Wohnraum gesichert werden solle, brauche es ein tragfähiges und verlässliches Förderprogramm für die Bestandssanierung in der Wohnungswirtschaft.

Auch der Neubau steht nach Einschätzung der Verbände zunehmend unter Druck. Mirjam Philipp, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, verweist auf massiv gestiegene Baukosten, hohe Anforderungen und fehlende wirtschaftliche Perspektiven. Dadurch komme der Neubau zunehmend zum Erliegen. Die Verbände fordern deshalb einen Kurswechsel hin zu einfacheren, schnelleren und bezahlbaren Lösungen.

Nach Angaben der Verbände wurde 2024 in Sachsen-Anhalt und Thüringen keine einzige Sozialwohnung gebaut. In Sachsen entstanden aufgrund vorhandener Fördermittel 2.680 Sozialwohnungen. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft zeigt das, welche Rolle Förderprogramme für den Wohnungsbau spielen.

Als Schlüsselaufgabe benennen die Verbände die Sanierung bestehender Bestände. Alexander Müller, Verbandsdirektor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Sachsen, sieht vor allem in den zahlreichen Plattenbauten eine Chance. Wenn dieser Hebel genutzt werde, könne aus der Herausforderung ein industriepolitischer Durchbruch für bezahlbares Wohnen werden.

Die drei Verbände vertreten zusammen etwa 1,15 Millionen Wohnungen und bieten rund zwei Millionen Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Zuhause. Die Mieten in diesen Beständen stiegen den Angaben zufolge innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 0,65 Euro auf derzeit 5,75 Euro pro Quadratmeter. Damit liegt die Steigerung laut Verbänden deutlich unter der allgemeinen Verbraucherpreisentwicklung.