Mo., 09.03.2026 , 11:47 Uhr

Tarifverhandlungen bei AVN-Gruppe ohne Ergebnis

Warnstreiks im Nahverkehr in Sachsen geplant

Im Nahverkehr in Sachsen drohen Warnstreiks. Nach gescheiterten Tarifverhandlungen ruft ver.di Beschäftigte mehrerer ÖPNV-Betriebe zu Arbeitsniederlegungen auf.

Dresden - Im sächsischen Nahverkehr stehen in den kommenden Wochen Warnstreiks bevor. Die Tarifkommission der Gewerkschaft ver.di hat am 6. März 2026 beschlossen, Arbeitskampfmaßnahmen in mehreren Verkehrsbetrieben einzuleiten, die den Tarifvertrag der AVN-Gruppe Sachsen anwenden.

Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen über die Vergütung sowie über Rahmen- und Ausbildungstarifverträge. Die dritte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern am 4. März 2026 endete ohne Ergebnis. Nach Angaben von ver.di waren die Arbeitgeber nicht bereit, auf Grundlage eines verbesserten Angebots in eine vierte Verhandlungsrunde einzutreten.

Erste Streiks beginnen im Osterzgebirge

Den Auftakt der Warnstreiks soll die Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH (RVSOE) bilden. Dort sind die Beschäftigten vom 10. März 2026, 3 Uhr, bis zum 11. März 2026, 3 Uhr zu einem Warnstreik aufgerufen.

Darüber hinaus kündigte ver.di weitere Arbeitsniederlegungen in der 11. Kalenderwoche in den Landkreisen Erzgebirge, Meißen und Zwickau sowie im Stadtgebiet Chemnitz an.

Auch in der darauffolgenden Woche sollen die Warnstreiks ausgeweitet werden. In der 12. Kalenderwoche sind Aktionen in den Landkreisen Mittelsachsen, Zwickau, Görlitz, Bautzen sowie Sächsische Schweiz-Osterzgebirge geplant. Zudem könnten die Stadtgebiete Chemnitz, Dresden und Görlitz betroffen sein.

Die Gewerkschaft rechnet in diesem Zeitraum mit erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr. Betroffen sein könnten Buslinien, Schienenersatzverkehr sowie Sonderfahrten.

Gewerkschaft will Bewegung in Tarifrunde bringen

Nach Angaben von ver.di hatte die Gewerkschaft bislang bewusst auf Streikmaßnahmen verzichtet, um die Auswirkungen auf Fahrgäste sowie auf Schülerinnen und Schüler möglichst gering zu halten.

„Ziel ist es, die Arbeitgeber zurück an den Verhandlungstisch zu bewegen und einen tragfähigen Kompromiss zu erreichen“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Sven Vogel.

Die konkreten Streiktermine sollen jeweils mindestens 48 Stunden vor Beginn bekanntgegeben werden. ver.di bittet Fahrgäste sowie Schülerinnen und Schüler um Verständnis und hofft auf eine schnelle Lösung des Tarifkonflikts – auch mit Blick auf anstehende Prüfungsphasen an Schulen und Gymnasien.

Arbeitgeberangebot von Gewerkschaft zurückgewiesen

Das letzte Angebot der Arbeitgeber vom 4. März 2026 sieht unter anderem eine Erhöhung der Vergütung um 1,9 Prozent ab April 2026 sowie weitere Steigerungen um 1,9 Prozent ab Januar 2027 und um 1,0 Prozent ab Januar 2028 vor. Für den Zeitraum von Januar bis März 2026 ist eine einmalige Zahlung von 200 Euro vorgesehen. Der Vergütungstarifvertrag soll nach diesem Angebot bis zum 30. Juni 2028 laufen.

Im Rahmentarifvertrag schlagen die Arbeitgeber unter anderem eine Erhöhung der Nachtzulage auf 25 Prozent ab April 2026 vor, die bereits ab 21 Uhr gelten soll. Außerdem sollen Zuschläge für das Zusammentreffen mehrerer Zeitzuschläge erhöht sowie eine Samstagszulage eingeführt werden. Für geteilte Dienste ist eine Erhöhung der Zulage von 13 auf 15 Euro vorgesehen.

Die ver.di-Verhandlungskommission bewertet dieses Angebot jedoch insgesamt als unzureichend und hat es abgelehnt.

Weitere Forderungen der Gewerkschaft

Neben höheren Entgelten fordert ver.di unter anderem eine höhere Jahressonderzahlung, mehr Urlaubstage sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen. Außerdem setzt sich die Gewerkschaft für eine verbindliche Übernahme von Auszubildenden nach bestandener Abschlussprüfung ein.

Weitere Forderungen betreffen Regelungen zur Fünf-Tage-Woche auch im Schichtdienst sowie einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen.

Die Tarifverträge der AVN-Gruppe Sachsen gelten unter anderem für Unternehmen wie Regionalverkehr Westsachsen, ETP Chemnitz, Regionalverkehr Erzgebirge, Regiobus Mittelsachsen, Verkehrsgesellschaft Meißen, DVS Dresden, Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda, Regionalbus Oberlausitz, Görlitzer Verkehrsbetriebe, Omnibusverkehr Oberlausitz sowie DB Regio Bus Ost.