Dresden - Die anhaltende Hitze und Trockenheit treffen Sachsens Teichwirtschaften schwer. Nach Angaben des Landesfischereiverbandes führen viele Fischteiche derzeit nur noch etwa die Hälfte ihres normalen Wasserstandes. Einige Anlagen seien bereits vollständig ausgetrocknet.
„So schlimm wie jetzt war es noch nie“, fasst Kevin Kretschmar, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, Rückmeldungen aus den Betrieben zusammen. Schon jetzt seien mehrere Tonnen Karpfen verloren gegangen.
Besonders angespannt ist die Situation nach seinen Angaben in Nordsachsen, Mittelsachsen und Ostsachsen.
Die Teichwirte versuchen, mit zusätzlicher Sauerstoffzufuhr und sogenannten Notabfischungen weitere Verluste zu verhindern. Die Möglichkeiten seien jedoch begrenzt, weil vielerorts das nötige Wasser fehle.
Fische werden deshalb teilweise in tiefere Winterteiche umgesetzt. Doch auch dort stehen nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung. Zusätzlich kommen Pumpen und Belüftungstechnik zum Einsatz.
In einzelnen Teichen liegen die Wassertemperaturen nach Angaben des Landesfischereiverbandes bei rund 30 Grad. Mit steigenden Temperaturen nimmt die Fähigkeit des Wassers ab, Sauerstoff zu binden.
Für die Fische bedeutet die Kombination aus hohen Temperaturen und Sauerstoffmangel erheblichen Stress. Nach Angaben Kretschmars reduzieren sie ihre Nahrungsaufnahme oder stellen sie vollständig ein.
Das hat auch wirtschaftliche Folgen. Neben den Verlusten durch verendete Fische müssen die Betriebe mit geringeren Erträgen rechnen, weil das Wachstum der verbliebenen Tiere stagniert.
Der sinkende Wasserstand sorgt zudem dafür, dass sich die Fische auf immer kleinerer Fläche konzentrieren. Dadurch sind sie stärker Fressfeinden wie Kormoranen, Reihern und Fischottern ausgesetzt.
Nach Einschätzung des Landesfischereiverbandes verschärfen sich damit mehrere Probleme gleichzeitig: Wassermangel, hohe Temperaturen, Sauerstoffknappheit und zusätzliche Verluste durch Fressfeinde.
Etwas besser ist die Situation nach Angaben Kretschmars bei Teichwirtschaften in den Mittelgebirgen, die über einen kontinuierlichen Wasserzufluss verfügen.
Besonders schwierig ist die Lage dagegen bei sogenannten Himmelsteichen. Sie werden überwiegend durch Niederschläge gespeist und sind vom Grundwasser abhängig.
Bereits zu Jahresbeginn habe es ein Defizit gegeben, weil die erhoffte Schneeschmelze im Winter ausgeblieben sei. Zwar seien die Niederschlagsmengen höher als im Dürrejahr 2018, das bestehende Grundwasserdefizit verschärfe die Lage dennoch.
Die Folgen dürften auch bei der Karpfenernte im Herbst spürbar werden. Nach Angaben des Landesfischereiverbandes ist die Versorgung mit Speisekarpfen zwar weiterhin gesichert, das Angebot dürfte jedoch geringer ausfallen.
Die Teichwirte hoffen deshalb, zumindest bessere Preise für ihre Fische erzielen zu können.