So., 31.05.2026 , 17:24 Uhr

Sachsen, Görlitz

Wie sicher sind Gasleitungen in Sachsen?

Nach dem Hauseinsturz in Görlitz mit drei Todesopfern ist die Ursache weiter nicht abschließend geklärt. Behörden und Stadt gehen nach aktuellen Erkenntnissen von einer möglichen Gasexplosion aus. Der Fall wirft auch in Leipzig und ganz Sachsen die Frage auf, wie sicher Gasleitungen in Wohngebäuden sind und wer für ihre Kontrolle verantwortlich ist.

Schwere Gasunfälle gelten als äußerst selten

Fachleute schätzen das Risiko schwerer Gasunfälle in Sachsen als sehr gering ein. Mitnetz Gas, der größte Gasnetzbetreiber im Freistaat, bezeichnet Gasleitungen im Regelfall als sicher. Ein Ereignis wie der Hauseinsturz in Görlitz sei demnach äußerst selten. Auch der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches verweist darauf, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unglücks sehr niedrig sei.

Ganz ausschließen lassen sich technische Defekte oder menschliche Fehler dennoch nicht. René Hobusch, Präsident des Hauseigentümerverbandes Haus & Grund Sachsen, verweist darauf, dass trotz Wartungen und Pflichten etwas übersehen werden könne. Gerade in Ferienwohnungen könne das Risiko durch häufig wechselnde Bewohner steigen, etwa wenn Mängel nicht erkannt oder Anlagen falsch bedient werden.

Viele Gebäude in Sachsen werden mit Gas beheizt

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts aus dem Zensus 2022 gibt es in Sachsen 861.100 Gebäude mit Wohnraum. Mehr als die Hälfte davon, rund 468.000 Gebäude, werden mit Gas beheizt. Hinzu kommt ein alter Gebäudebestand: Über die Hälfte aller Wohngebäude in Sachsen wurde vor 1949 errichtet, viele sogar vor 1919.

Einen pauschalen Zusammenhang zwischen dem Alter eines Gebäudes und einer erhöhten Gefahr sehen Fachleute jedoch nicht. Auch ältere Gasinstallationen können sicher betrieben werden, wenn sie fachgerecht eingebaut, regelmäßig geprüft und gewartet werden.

Verantwortung endet nicht am Hausanschluss

Für die Sicherheit von Gasleitungen gibt es eine klare Zuständigkeit. Netzbetreiber sind für das öffentliche Leitungsnetz bis zum Gashausanschluss am Gebäude verantwortlich. Ab diesem Punkt liegt die Verantwortung bei den Eigentümern. Dazu gehören Leitungen im Haus, Thermen oder Etagenheizungen.

Vermieter können Wartungs- und Nachweispflichten zwar vertraglich auf Mieter übertragen. Haus-&-Grund-Präsident Hobusch rät davon jedoch ab. Wer die Wartung aus der Hand gebe, verliere auch die Kontrolle darüber, ob sie tatsächlich erfolgt.

Eigentümer müssen Anlagen regelmäßig warten lassen

Hauseigentümer sind verpflichtet, ihre Gasanlagen regelmäßig durch Fachbetriebe warten zu lassen. Zusätzlich kontrolliert der Schornsteinfeger in bestimmten Abständen Abgaswerte und sicherheitsrelevante Punkte. Eigentümer müssen Wartungen, Kontrollen und Reparaturen im Zweifel nachweisen können.

Wichtig ist auch das richtige Verhalten bei Gasgeruch. Erdgas wird ein Duftstoff zugesetzt, damit ein möglicher Austritt schnell erkannt werden kann. Wer Gas riecht, sollte sofort Fenster öffnen, keine elektrischen Schalter betätigen und den Netzbetreiber über die Störungsnummer informieren. Diese befindet sich häufig direkt am Gaszähler.

Netzbetreiber prüfen Leitungen regelmäßig

Mitnetz Gas kontrolliert nach eigenen Angaben jährlich zahlreiche Ortsnetze, Anlagen und Hauseingangsleitungen. Zusätzlich werden sogenannte Haustests durchgeführt, bei denen die Raumluft in Kellern und Hausanschlussräumen gemessen wird. Besonders relevant sind dabei Stellen, an denen Gasleitungen durch Mauern geführt werden.

Als häufige Ursachen für Leitungsschäden nennt der Netzbetreiber unsachgemäße Arbeiten und Manipulationen an Gasleitungen. Auch Baggerarbeiten auf privaten Grundstücken können Leitungen beschädigen. Für das Jahr 2026 plant Mitnetz Gas Investitionen von rund 54 Millionen Euro in Bau, Erneuerung und Betrieb des Netzes.

Auch die Stadtwerke Görlitz überprüfen ihr Netzgebiet nach eigenen Angaben im Zweijahresrhythmus. Das Alter einer Leitung sei dabei nicht automatisch ein Hinweis auf ihren Zustand, weil Leitungsabschnitte fortlaufend erneuert werden können. Moderne Verfahren ermöglichen es zudem, neue Kunststoff- oder Schlauchleitungen in bestehende Rohre einzuziehen.

Sicherheit hängt auch von Kontrolle im Gebäude ab

Der Fall Görlitz zeigt, dass die Sicherheit von Gasversorgung nicht allein vom öffentlichen Netz abhängt. Entscheidend ist auch der Zustand der Installationen innerhalb der Gebäude. Für Eigentümer bedeutet das: Wartung, Kontrolle und schnelles Reagieren bei Auffälligkeiten bleiben zentrale Voraussetzungen, damit Gasheizungen sicher betrieben werden können.