Dresden - Wolfgang Schaller, langjähriger prägender Kopf der Dresdner Herkuleskeule, zieht sich von der Bühne im Kabarettkeller zurück. Ganz verabschiedet sich der Autor, frühere Künstlerische Leiter und Kabarettist aber nicht: Bis Oktober steht er noch mit seinem Programm „Eh ich’s vergesse“ gemeinsam mit seiner Frau Birgit Schaller auf der Bühne.
Der Abschied betrifft vor allem seine regelmäßigen Auftritte im Kabarettkeller der Herkuleskeule. Danach will sich Wolfgang Schaller stärker auf das Schreiben konzentrieren. Auch ausgewählte Live-Termine sowie seine beliebten Kolumnen sollen weiterhin möglich bleiben.
Schaller gehört seit mehr als 56 Jahren zur Herkuleskeule. Seit 1970 schrieb er als Autor nach Angaben des Hauses rund 60 Kabarettabende. Viele dieser Programme wurden nicht nur in Dresden, sondern über Jahrzehnte auch an Theatern in weiten Teilen Deutschlands gespielt. Zahlreiche erfolgreiche Stücke entstanden gemeinsam mit seinem langjährigen Partner Peter Ensikat.
Eines dieser Programme ist bis heute im Spielplan der Herkuleskeule: „Leise flehen meine Glieder“. Das Stück wurde bereits mehr als 2.000 Mal gespielt und zählt damit zu den großen Erfolgen des Hauses. Auch an aktuell laufenden Programmen wie „Tunnel in Sicht“ und „Leise flehen meine Glieder“ schreibt und aktualisiert Wolfgang Schaller weiter mit.
Über viele Jahre prägte Schaller die Herkuleskeule auch als Künstlerischer Leiter. 2020 übergab er den künstlerischen Staffelstab an seinen Sohn Philipp Schaller, der seither die künstlerischen Belange des Kabaretts im Keller des Kulturpalastes verantwortet.
Noch Anfang Mai war Wolfgang Schaller beim 65. Jubiläum der Herkuleskeule gemeinsam mit Philipp Schaller auf der Bühne zu erleben. Bei einem Live-Gespräch zum Thema Meinungsfreiheit sprach er über Kabarett, Haltung und Öffentlichkeit. Für Vater und Sohn war es nach seinen Worten eine besondere Premiere.
Im April feierte Wolfgang Schaller seinen 86. Geburtstag. Bereits ein Jahr zuvor hatte ihm die Herkuleskeule eine Gala zum 85. Geburtstag gewidmet. Damals deutete er bereits an, dass der Gedanke an einen Bühnenabschied näher rücke. Für Schaller ist dieser Schritt dennoch kein leichter. Politisches Kabarett sei für ihn eng mit Einmischung, Meinung und Haltung verbunden.
Bis zu seinem letzten regulären Auftritt im Kabarettkeller bleibt dem Publikum noch Gelegenheit, Wolfgang Schaller live zu erleben. Die letzten Vorstellungen von „Eh ich’s vergesse“ sind für den 3., 11. und 19. Juli, den 13. September sowie den 9. und 18. Oktober 2026 angekündigt.
Mit seinem Abschied von der regelmäßigen Bühne endet ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Herkuleskeule. Wolfgang Schaller hat das Dresdner Kabarett über Jahrzehnte als Autor, Leiter und Bühnenkünstler geprägt. Der Herkuleskeule bleibt er nach den vorliegenden Informationen jedoch weiterhin verbunden – vor allem als Autor.