Di., 29.09.2026 , 10:42 Uhr

Im Ariowitsch-Haus entsteht ein neuer Ort für Holocaust-Bildung

Yad-Vashem-Außenstelle kommt 2027 nach Leipzig

Die Leipziger Außenstelle der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll 2027 starten. Geplant sind interaktive Lernräume für junge Menschen und Pädagogen

Leipzig - Leipzig bekommt eine Außenstelle der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Die geplante Bildungsstätte im Ariowitsch-Haus soll 2027 ihren Betrieb aufnehmen. Das sagte Sachsens Kultusminister Conrad Clemens bei einem Besuch des künftigen Standorts. Der Freistaat arbeitet derzeit gemeinsam mit Yad Vashem an einem entsprechenden Vertrag.

Sachsen plant nach Angaben des Kultusministers, die Bildungsarbeit mit fünf Millionen Euro pro Jahr zu unterstützen. Bereits im Mai hatte Yad Vashem angekündigt, erstmals einen Standort außerhalb Israels in Deutschland aufzubauen. München soll Hauptstandort des neuen Bildungszentrums werden, Leipzig erhält eine Außenstelle.

Interaktive Lernräume in Leipzig geplant

In Leipzig sollen unter anderem interaktive Lernräume entstehen. Die Angebote richten sich insbesondere an junge Menschen, Pädagogen und weitere Multiplikatoren. Nach Angaben des sächsischen Kultusministeriums soll die Einrichtung dabei auch über Sachsen hinaus in die Region und angrenzende Länder wirken.

Bei seinem Besuch betonte Clemens die Bedeutung der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus und Extremismus. Als Beispiel für die aktuelle Debatte um Erinnerungskultur verwies er auch auf die jüngste Entscheidung des Stadtrates von Heidenau.

Streit um Stolpersteine in Heidenau

Der Stadtrat hatte Ende September beschlossen, künftig keine neuen Stolpersteine mehr auf öffentlichen Straßen und Gehwegen zuzulassen. Für einen entsprechenden Antrag stimmten Mitglieder von AfD, CDU und der Bürgerinitiative Oberelbe. Stattdessen soll ein zentraler Gedenkort auf dem Nordfriedhof entstehen. Die Entscheidung löste überregional Kritik aus.

Stolpersteine erinnern im öffentlichen Raum an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt und ermordet wurden. Die kleinen Gedenktafeln werden in der Regel vor früheren Wohn- oder Wirkungsorten der Opfer in den Boden eingelassen.

Clemens bezeichnete die Heidenauer Entscheidung bei seinem Besuch in Leipzig als „unsäglich“. Gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Karin Prien legte er Blumen an acht Stolpersteinen in der Nähe des geplanten Yad-Vashem-Standorts nieder.

Bildungsarbeit soll 2027 beginnen

Mit der Leipziger Außenstelle soll künftig ein neuer Bildungsort zur Geschichte des Holocaust und zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus entstehen. Der genaue Starttermin innerhalb des Jahres 2027 wurde zunächst nicht genannt.