Mi., 10.11.2021 , 15:20 Uhr

Das Geheimnis erholsamen Schlafs

Selig schlafen – das können Babys und Kinder. Der Volksmund begründet das mit unverdorbenen Seelen. Aus Kindern werden Erwachsene und viele verlieren diesen seligen Schlaf. Wie eine Studie des Robert-Koch-Instituts 2013 ans Licht brachte, empfindet etwa ein Viertel der Deutschen die nächtliche Schlafqualität als ziemlich schlecht oder schlecht. Nur 36 % haben nie Durchschlafstörungen und bloß 47,1 % kennen keine Einschlafprobleme. Was verdirbt so vielen Menschen den Schlaf? Oder umgekehrt: Was kann man dagegen tun?

Gedanken über den Schlaf

Stellen wir uns Eltern mit einer 8-jährigen Tochter vor. Sie sitzen am Sonntag im Wohnzimmer und verbringen den Abend mit einem Spiel. Plötzlich steht das Kind auf und sagt: „Gute Nacht, ich muss schlafen. Ich muss morgen früh raus.“ Üblicherweise handeln Kinder so nicht. Es sind Berufstätige, die in solchen Sätzen sprechen. Aber Kinder lernen früh, dass Ähnliches von ihnen erwartet wird. Das passiert über kleine, einfache Erziehungssätze: „Du musst jetzt ins Bett. Morgen ist Schule.“ Von Kindesbeinen an erfahren wir, dass wir rechtzeitig schlafen müssen, wenn wir am nächsten Tag etwas leisten wollen. Biologisch besehen ist das richtig. Erhalten Menschen zu wenig Schlaf, sind sie unkonzentriert, weniger leistungsfähig und werden anfällig für Krankheiten.

Aber was ist Schlaf? Er ist der Zustand von Willenlosigkeit. Die bewussten Gedanken stehen still. Den Körper kontrollieren wir nicht mehr. Wir sind wehr- und schutzlos. Täglich fordert die Natur eine lange Pause von Denken, Wollen und Selbstkontrolle. Es ist überlebenswichtig, von Vernunft, Zielen und jedem Gestaltungswillen stundenlang loszulassen. In der Nachtzeit kümmert sich gewissermaßen die Natur um das menschliche Wohlergehen. Sie repariert Körperzellen, leitet Giftstoffe aus und beschäftigt das Gefühlsleben unverbindlich und folgenlos mit allerlei Träumen. Wir dürfen daliegen, alles vergessen und uns wird Gutes getan. Am nächsten Morgen sind wir erfrischt.

Genussvolles Wohlgefühl statt inneren Druck aufbauen

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DSGM) hat einen Ratgeber zum Thema „Ein- und Durchschlafstörungen“ herausgegeben. In vielen Fällen beruhen Schlafstörungen auf innerer Anspannung und sogar einer ausgeprägten Angst davor, nicht schlafen zu können. In hartnäckigen Fällen hilft eine Verhaltenstherapie. Aber man kann auch Vieles selbst tun, um der Anspannung und dem inneren Satz „Ich muss schlafen“ zu entkommen. Das Schlafzimmer sollte so eingerichtet werden, dass absolut nichts an die üblichen Tagesaufgaben erinnert. Gestalten Sie den Raum wie den Urlaubsort in Ihren eigenen vier Wänden. Dabei kann auch eine Bildtapete vom erträumten Urlaubsstrand oder einer herrlichen Sehnsuchtslandschaft helfen. Das Bett muss völlige körperliche Entspannung ermöglichen. Achten Sie auf eine duftige und wohlriechende Bettwäsche. Wählen Sie das Gewebe nach persönlichen Vorlieben – entweder kuschelig und wärmend oder samtweich und kühlend. Gönnen Sie sich ein Gefühl von Luxus auf der Haut. Welche Sorgen oder anstehenden Aufgaben auch immer Ihre Gedanken kreisen lassen: Bevor Sie das Schlafzimmer betreten, schreiben Sie alles auf eine To-Do-Liste und lassen Sie diese auf dem Küchentisch liegen. Morgen ist der Tag, an dem Sie sich darum kümmern werden. Sollten Sie regelmäßig Schlafprobleme haben, gewöhnen Sie sich mindestens 30 Minuten vor der geplanten Schlafenszeit ein kleines Ritual an. Richten Sie die Gedanken auf schöne Erinnerungen oder Urlaubsträume. Erlauben Sie sich vor dem Einschlafen eine bewusste Zeit des schönen Tagträumens, dann holt der Schlaf Sie gerne von dort ab.