Durch ständige Vergleiche, Abwägungen und Emotionen sind unsere Entscheidungen auch ein Spiegel unserer Psyche. Aber welche Mechanismen stecken eigentlich dahinter? Viele Menschen gehen davon aus, dass sie alles absolut rational entscheiden, doch oft spielen Assoziationen eine viel größere Rolle, als ihnen bewusst ist. Wettbegeisterte überlegen selten im Detail, wie groß ihr Bedürfnis nach Nervenkitzel gerade ist und ob ihre Stimmung die Entscheidung vielleicht sogar beeinflussen könnte. Ganz subtil beeinflusst uns hier eine Triebfeder, welche gelegentlich für große Wagnisse verantwortlich ist. Dass in uns allen diese Lust am Wagnis steckt, hat nicht zuletzt auch Fernsehproduzenten dazu bewegt, Sendungen, wie beispielsweise „WETTEN DASS..?“ mit Thomas Gottschalk, zur besten Sendezeit im Programm zu platzieren.
Soziale Bindungen und Gruppendynamiken spielen in der heutigen „Wettkultur“, die sich immer mehr als Freizeitbeschäftigung Raum schafft, ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle. Wenn Freunde oder Kollegen gemeinsam auf irgendwelche sportlichen Ergebnisse wetten, spornt das den einen oder anderen Kollegen doch auch an, mitzuziehen. Allerdings kann dieser Druck auch dazu führen, unvernünftig zu handeln, denn wer sich beispielsweise dazu hinreißen lässt, für Ereignisse oder Sportarten einen Tipp abzugeben, von denen er im schlechtesten Fall noch nie etwas gehört hat, kann einfach nicht gutgehen. Besonders in Gruppen entsteht eher das Gefühl einer Sicherheit, die es natürlich gar nicht gibt, denn woher auch? Dieser Effekt offenbart sich gerade bei sogenannten Live-Wetten, wenn ad-hoc Entscheidungen von einer Gruppe Gleichgesinnter getroffen werden, welche gerade ein kollektives Hochgefühl verspürt und überzogen gewagte Entscheidungen trifft, wofür ja auch kein Einzelner verantwortlich gemacht wird, es hat die Gruppe entschieden. Eine reflektierte Herangehensweise bei kommenden Wetten wäre die einzig sinnvoll zu empfehlende Art und Weise eines Umgangs mit solchen „Herausforderungen“.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen ihre Chancen oft viel optimistischer einschätzen, als es die Realität hergäbe. Das Prinzip ist in der Psychologie bekannt und unterstreicht den Wunsch nach schnellem Reichtum, bei gleichzeitig überschaubarem Risiko. Dieses Phänomen wird teilweise durch die »Verlustaversion« erklärt, bei der ein potenzieller Verlust schwerer wiegt als ein möglicher Gewinn. Wer sich intensiver mit diesen Denkprozessen auseinandersetzen möchte, stößt unweigerlich auf die Methoden der "Behaviorale Entscheidungstheorie". Sie untersucht, wie Erwartungen, Wahrscheinlichkeiten und die eigene Risikobereitschaft zusammenwirken, um letztlich eine Entscheidung zu formen.
Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder unserer Entscheidung. Bei Wetten wirkt dieser Effekt besonders stark, da die Identifikation mit einem Team oder einem Sportler für Enthusiasmus und Erwartungen sorgt. Dabei können Freude, Ärger oder gar Rachegefühle in Bezug auf den Gegner des eigenen Favoriten die Entscheidungen beeinflussen. Wer gerade eine Pechsträhne erlebt, fühlt sich mitunter geneigt, womöglich mehr zu wagen, als er dies sonst im aufgeräumten Zustand getan hätte, um Verluste wieder auszugleichen. Umgekehrt kann aber auch ein Erfolgserlebnis in Selbstüberschätzung münden und zu impulsiven Handlungen führen. In beiden Situationen kann das Ergebnis sehr ähnlich aussehen, denn zu hohe Einsätze oder zu gewagte Entscheidungen führen ja fast schon unweigerlich zu finanziellen Verlusten! Ein klarer Kopf ist die beste Voraussetzung, Entscheidungen mit existentieller Tragweite zu fällen.
Eine Informationsflut an sportlichen Prognosen, tagesaktuellen Nachrichten, Erfahrungswerten und dazu dann noch das eigene Bauchgefühl wirkt eher erschlagend und führt zu einer eher selektiven Wahrnehmung des Daten-Mix. Das Durcheinander an sportlichen Live-Informationen, dazu vielleicht auch noch aus ganz unterschiedlichen Quellen, beeinflussen zusätzlich noch unser Entscheidungsfindung: Ein kurzfristiger Bericht über eine Verletzung eines wichtigen Spielers ändert unsere Sicht auf den Sportevent innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde. Zudem neigen wir dazu bei positiv formulierten Fakten die Hauptinformation des Fakt’s nicht oder nur ungenügend wahrzunehmen und verschließen intuitiv unsere Augen vor dem möglichen Warnsignal. Dieses Muster zeigt sich bei vielen Anhängern des Glücksspiels und ist Ausdruck einer massiv motivationsgesteuerten Verhaltensweise. Kurzfristige Betrachtungen überwiegen dann oft einer breit gefächerten Perspektivsicht. Wenn die Wettverluste immer größere Ausmaße annehmen, empfiehlt es sich, spätestens jetzt den Kontakt zu einer Anlaufstelle für Spielsuchthilfe zu suchen, um den eigenen Spieltrieb nachhaltig in den Griff zu bekommen. Dabei kann es helfen, manchmal die individuellen Motive, Emotionen und Informationsquellen auf den Prüfstand zu stellen. Wer beispielsweise erkennt, dass Gruppenzwang oder persönliche Vorlieben seine Wettaktivitäten steuern, kann hier gegensteuern. Schon das Setzen klarer Grenzen – zeitlich wie finanziell – hilft, einen vernünftigen Rahmen zu wahren. So kann die Freizeitwette langfristig auch nicht zur existentiellen Bedrohung mutieren.